Neue Zölle auf EU-Autos und -Lastwagen? Was Trump plant Von Khang Mischke, Franziska Spiecker und Doris Pundy, dpa

01.05.2026 19:45

Die EU und die USA haben sich im vergangenen Sommer auf ein
Rahmenabkommen für Zölle geeinigt. Doch nun sorgt US-Präsident Trump

für neuen Streit.

Washington (dpa) - Lange war es im Zollstreit zwischen den USA und
der EU ruhig geblieben, doch kurz vor dem Wochenende lässt
US-Präsident Donald Trump die Situation eskalieren: Auf Truth Social
kündigt er an, den Zoll auf Auto- und Lastwagenimporte aus der
Europäischen Union in die USA auf 25 Prozent zu erhöhen. Der neue
Satz soll ab kommender Woche gelten. 

«Sie haben sich nicht an die Vereinbarung gehalten, die wir getroffen
haben», begründete Trump seine Entscheidung vor Journalisten. Was
bedeutet das? Ein Überblick: 

Was ist das eigentlich für ein Handelsabkommen? 

Mitte August 2025 hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Zollobergrenze
von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt.
Auch für europäische Autos und Autoteile sollte der Satz gelten. Im
Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-Industriegüter zu
streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie
Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern. 

Weitere Zolldrohungen Trumps im Grönland-Konflikt und Unsicherheit
nach einer Gerichtsentscheidung, die viele US-Zölle für rechtswidrig
erklärt hatte, hatten die Umsetzung des Zolldeals allerdings
gebremst. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere
Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen knüpfen zu
wollen. Die Abgeordneten sprachen sich mehrheitlich dafür aus. Für
den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch den entsprechenden
Verordnungen zustimmen. 

Der Einigung war ein monatelanger Streit vorangegangen, bei dem sich
beide Seiten des Atlantiks mit Zolldrohungen überzogen. Im Juli
kündigte Trump etwa Zölle von 30 Prozent auf alle Waren aus der
Europäischen Union an - die EU bereitete wenige Tage darauf
Gegenzölle im Wert von 72 Milliarden Euro vor. 

Welcher Zollsatz gilt bislang? 

Im Rahmen des Handelsabkommens von August gilt laut US-Bundesregister
für Autos, leichte Lastwagen und Autoteile, die aus der EU in die USA
importiert werden, die 15-Prozent-Zollobergrenze. Mittelschwere und
schwere Lastwagen werden allgemein mit 25 Prozent verzollt. 

Autos und Lastwagen von EU-Herstellern, die in den Vereinigten
Staaten produziert werden, sind laut Trump von den Abgaben
ausgenommen. Der US-Präsident will dadurch Autobauer auf der ganzen
Welt dazu bewegen, trotz höherer Herstellungskosten mehr in den USA
zu produzieren. Derzeit befänden sich «zahlreiche» Produktionsstätt
en
im Bau, das Investitionsvolumen liege bei mehr als 100 Milliarden
US-Dollar (knapp 85,5 Mrd. Euro), schreibt Trump in seinem Post. 

Wie reagiert die EU? 

In einer ersten Reaktion bezeichnete Bernd Lange, Vorsitzender des
Handelsausschusses im Europaparlament, Trumps Ankündigung als
inakzeptabel. Das Europäische Parlament halte weiterhin an der
Vereinbarung fest und arbeite an der Umsetzung des Abkommens.
«Während die EU ihre Verpflichtungen erfüllt, bricht die US-Seite
ihre Zusagen immer wieder», schrieb er weiter. 

Eine Reaktion der EU-Kommission, die in der Staatengemeinschaft für
die Handelspolitik zuständig ist, gab es zunächst nicht. 

Sind die neuen Zölle eine Rache an Merz, Meloni und Sánchez? 

Ausgeschlossen ist das keineswegs: Das Verhältnis zwischen den USA
und europäischen Ländern war zuletzt angespannt. In den vergangenen
Tagen war Trump etwa Bundeskanzler Friedrich Merz mehrfach verbal
angegangen, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den
Iran geäußert hatte. «Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!»,
schrieb er über den CDU-Politiker. Merz hingegen spricht weiter von
einem «unverändert guten» Verhältnis. Kurz danach drohte Trump mit

einem Abzug von US-Soldaten aus Deutschland. 

Entsprechende Überlegungen stellte Trump dann wenig später auch für
Italien und Spanien in Aussicht. Der US-Präsident kritisiert seit
geraumer Zeit die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung der
Europäer bei seinem Krieg gegen den Iran. Zuvor waren die Vereinigten
Staaten sowohl in Spanien als auch in Italien auf Widerstand bei der
Nutzung von Militärstützpunkten für den Iran-Krieg gestoßen. 

Wie wichtig ist der US-Markt für die Autoindustrie? 

Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten
deutscher Autobauer, vor allem für Porsche, BMW und Mercedes. Die
Branche war ohnehin im vergangenen Jahr von den Zöllen stark
gebeutelt: Zwar galten zunächst 27,5 Prozent, die im August nach dem
Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber immer noch
sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten. Die neueste
Eskalation dürfte einmal mehr für Kopfschütteln bei den Automanagern

sorgen. 

Denn bereits im vergangenen Jahr brach der Auto-Export aus
Deutschland in die USA infolge der Zollerhöhungen ein. «Trump hat die
Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen», sagte
etwa Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstärke er den
Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft
werden. «Für die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das
natürlich Gift.»