EU und Wirtschaft kritisieren Trumps neue Zollpläne

02.05.2026 04:00

Die EU-Kommission behält sich Gegenmaßnahmen vor, sollte Trump seine
Zollpläne realisieren. Auch der Verband der Automobilindustrie ist
empört.

Brüssel/Berlin/Washington (dpa) - Die Europäische Union und die
deutsche Wirtschaft kritisieren die von US-Präsident Donald Trump
angekündigte Anhebung von Zöllen auf Fahrzeuge aus der EU. Die
EU-Kommission behielt sich in einer ersten Reaktion Gegenmaßnahmen
vor, sollte Trump seine Ankündigung tatsächlich wahr machen.

Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament,
nannte Trumps Ankündigung inakzeptabel. Der deutsche Verband der
Automobilindustrie (VDA) bezeichnete Trumps Vorstoß als «erneute und
schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen».

Trump hatte am Freitag auf der Plattform Truth Social angekündigt, er
wolle Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA
eingeführt werden, von kommender Woche an auf 25 Prozent erhöhen. Er
begründete das mit dem Vorwurf, dass sich die EU nicht an das
vereinbarte Handelsabkommen halte.

EU-Kommission behält sich Gegenmaßnahmen vor

Eine Sprecherin der für die Handelspolitik der Staatengemeinschaft
zuständigen EU-Kommission teilte mit, man bekenne sich weiter «zu
einer berechenbaren, für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen
Beziehung». Sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch
zum gemeinsamen Handelsabkommen stünden, behalte man sich jedoch
«alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen». Die
Sprecherin versicherte, die EU setze die eingegangenen
Verpflichtungen im Einklang mit der üblichen Gesetzgebungspraxis um
und halte die US-Regierung dabei stets umfassend auf dem Laufenden. 

Lange sagte, das Europäische Parlament halte weiterhin an der
Vereinbarung fest und arbeite an der Umsetzung des Abkommens.
«Während die EU ihre Verpflichtungen erfüllt, bricht die US-Seite
ihre Zusagen immer wieder», schrieb er auf der Plattform X weiter. 

VDA-Präsidentin Hildegard Müller betonte: «Das Handelsabkommen, das
zwischen der EU und den USA vereinbart wurde, muss von beiden Seiten
eingehalten werden.» Dabei müsse Brüssel «endlich» die Abmachunge
n
umsetzen. Die zusätzlichen Abgaben würden die deutsche und
europäische Automobilindustrie in einer ohnehin angespannten Lage
hart treffen. Zugleich könnten die Maßnahmen auch Auswirkungen auf
Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA haben, hieß es weiter. 

Müller forderte beide Seiten auf, das zwischen der EU und den USA
geschlossene Handelsabkommen einzuhalten und mahnte insbesondere
Fortschritte auf europäischer Seite an. Die Automobilindustrie rufe
sowohl Washington als auch Brüssel zu einer Deeskalation und zu
raschen Gesprächen auf.

Experte: Social-Media-Beiträge sind kein Gesetz

Simon Evenett, Handelsexperte an der privaten Wirtschaftshochschule
IMD Business School, sagte dem britischen Sender BBC: «Diejenigen,
die glauben, dass diese (US-)Regierung sich an kein Abkommen hält,
werden sich bestätigt sehen.» Allerdings müsse man beachten, dass
Social-Media-Beiträge kein Gesetz seien, weshalb Brüssel den genauen
Wortlaut sehen wolle, bevor es zurückschlage. 

Im Sommer vergangenen Jahres hatten sich Trump und
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem
Rahmenabkommen auf eine Obergrenze von 15 Prozent auf die meisten
EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch für europäische Autos und
Autoteile soll der Satz gelten. Im Gegenzug verpflichtet sich die EU,
Zölle auf US-Industriegüter zu streichen und den Marktzugang für
US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu
erleichtern. 

Angespanntes Verhältnis

Weitere Zolldrohungen Trumps im Grönland-Konflikt und Unsicherheit
nach einer Gerichtsentscheidung, die viele US-Zölle für rechtswidrig
erklärt hatte, hatten die Umsetzung des Zolldeals allerdings
gebremst. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere
Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen knüpfen zu
wollen. Die Abgeordneten sprachen sich mehrheitlich dafür aus. Für
den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch den entsprechenden
Verordnungen zustimmen. 

Autos und Lastwagen von EU-Herstellern, die in den Vereinigten
Staaten produziert werden, sind laut Trump von den Abgaben
ausgenommen. Der US-Präsident will dadurch Autobauer auf der ganzen
Welt dazu bewegen, trotz höherer Herstellungskosten mehr in den USA
zu produzieren. 

Das Verhältnis zwischen den USA und europäischen Ländern war zuletzt

angespannt. In den vergangenen Tagen war Trump etwa Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU) mehrfach verbal angegangen, weil dieser sich
kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. Der
US-Präsident kritisiert seit geraumer Zeit die aus seiner Sicht
mangelnde Unterstützung der Europäer bei seinem Krieg gegen den Iran.