Trumps neue Zollpläne treffen vor allem Deutschland
03.05.2026 12:10
US-Präsident Trump schwingt erneut die Zollkeule. Die EU-Kommission
behält sich Gegenmaßnahmen vor, der Verband der Automobilindustrie
ist besorgt. Experten sehen Deutschland besonders betroffen.
Brüssel/Berlin/Washington (dpa) - Mit Beginn der neuen Woche steht
eine kräftige Anhebung der US-Zölle auf Fahrzeuge aus der EU ins
Haus. Die Europäische Union und die deutsche Wirtschaft kritisieren
die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Zollerhöhung scharf.
Die EU-Kommission behält sich Gegenmaßnahmen vor, sollte Trump seine
Ankündigung tatsächlich wahr machen.
Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament,
nannte Trumps Ankündigung inakzeptabel. Der deutsche Verband der
Automobilindustrie (VDA) bezeichnete Trumps Vorstoß als «erneute und
schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen».
Trump hatte am Freitag auf der Plattform Truth Social angekündigt, er
wolle Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA
eingeführt werden, von kommender Woche an von 15 auf 25 Prozent
erhöhen. Er begründete das mit dem Vorwurf, die EU halte sich nicht
an das vereinbarte Handelsabkommen.
Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, warnt vor erheblichen
Risiken für die deutsche Wirtschaft. Der Ökonom befürchtet ernsthafte
Folgen, sollte die EU ihrerseits Zölle auf US-Produkte erheben. Fuest
sagte der «Bild»-Zeitung: «Falls daraus ein neuer Handelskrieg wird,
droht Deutschland 2026 eine Rezession.» Jens Südekum, Berater im
Bundesfinanzministerium, riet dazu, abzuwarten. Zunächst sollte
geprüft werden, ob die angekündigten US-Zölle tatsächlich erhoben
würden. Für diesen Fall sprach er sich für «angemessene
Gegenmaßnahmen» der EU aus.
EU-Kommission behält sich Gegenmaßnahmen vor
Eine Sprecherin der EU-Kommission teilte mit, sollten die USA
Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch zum gemeinsamen
Handelsabkommen stünden, behalte man sich «alle Optionen vor, um die
Interessen der EU zu schützen». Die Sprecherin versicherte, die EU
setze die eingegangenen Verpflichtungen im Einklang mit der üblichen
Gesetzgebungspraxis um und halte die US-Regierung dabei stets
umfassend auf dem Laufenden.
Lange sagte, das Europäische Parlament halte weiterhin an der
Vereinbarung fest und arbeite an der Umsetzung des Abkommens.
«Während die EU ihre Verpflichtungen erfüllt, bricht die US-Seite
ihre Zusagen immer wieder», schrieb er auf der Plattform X.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller betonte: «Das Handelsabkommen, das
zwischen der EU und den USA vereinbart wurde, muss von beiden Seiten
eingehalten werden.» Dabei müsse Brüssel «endlich» die Abmachunge
n
umsetzen. Die zusätzlichen Abgaben würden die deutsche und
europäische Automobilindustrie in einer ohnehin angespannten Lage
hart treffen. Zugleich könnten die Maßnahmen auch Auswirkungen auf
Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA haben, hieß es weiter.
Die Autoindustrie rufe Washington und Brüssel zu einer Deeskalation
und zu raschen Gesprächen auf.
Die angekündigten Zölle von 25 Prozent auf Neuwagen aus der EU
könnten für die Autoproduktion in Deutschland zusätzliche Belastungen
von jährlich rund 2,5 Milliarden Euro bringen. Das geht aus
Berechnungen des Center Automotive Research (CAR) in Bochum hervor.
CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer sieht bei Trumps Vorgehen ganz
klar Deutschland im Fokus. «Da die Exporte der ausländischen
Autobauer in die USA unwesentlich sind, lassen sich die neuen
Trump-Zoll-Drohungen auch als der Beginn eines Wirtschaftskriegs
gegen Deutschland interpretieren», betonte er.
Beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hieß es: «Die
amerikanische Seite beschädigt mit immer neuen Provokationen das
gegenseitige Vertrauen». Das Handelsabkommen zwischen der EU und den
USA müsse von beiden Seiten eingehalten werden. Klar sei auch:
«Europäische Gesetzgebung und Handelspolitik entstehen in
transparenten, rechtsstaatlichen Verfahren, und darauf durch
unangekündigte Strafmaßnahmen gegen Schlüsselindustrien Druck
auszuüben, ist unangebracht.»
Experte: Social-Media-Beiträge sind kein Gesetz
Simon Evenett, Handelsexperte an der privaten Wirtschaftshochschule
IMD Business School, sagte dem britischen Sender BBC: «Diejenigen,
die glauben, dass diese (US-)Regierung sich an kein Abkommen hält,
werden sich bestätigt sehen.» Allerdings müsse man beachten, dass
Social-Media-Beiträge kein Gesetz seien.
Im vergangenen Sommer hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Obergrenze von
15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch
für europäische Autos und Autoteile soll der Satz gelten. Im Gegenzug
verpflichtet sich die EU, Zölle auf US-Industriegüter zu streichen
und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und
Milchprodukte zu erleichtern.
Angespanntes Verhältnis
Unsicherheit nach einer Gerichtsentscheidung, die viele US-Zölle für
rechtswidrig erklärt hatte, hatten die Umsetzung des Zolldeals
allerdings gebremst. Das Europäische Parlament gab im März bekannt,
die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge
Bedingungen knüpfen zu wollen. Für den Vollzug müssen auch die
Mitgliedstaaten noch den entsprechenden Verordnungen zustimmen.
Autos und Lastwagen von EU-Herstellern, die in den Vereinigten
Staaten produziert werden, sind laut Trump von den Abgaben
ausgenommen. Der US-Präsident will dadurch Autobauer auf der ganzen
Welt dazu bewegen, trotz höherer Herstellungskosten mehr in den USA
zu produzieren.
Das Verhältnis zwischen den USA und europäischen Ländern war zuletzt
angespannt. Der US-Präsident kritisiert die aus seiner Sicht
mangelnde Unterstützung der Europäer beim Krieg gegen den Iran. In
den vergangenen Tagen war Trump etwa Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU) mehrfach verbal angegangen, weil dieser sich kritisch über die
US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. Unterdessen hat die
US-Regierung den Teilabzug von Soldaten aus Deutschland angeordnet.
