Klingbeil fordert von Trump Einhaltung von Zoll-Zusagen

04.05.2026 16:28

Der deutsche Finanzminister will keine Eskalation des neuen
Zollstreits mit dem US-Präsidenten. Zugleich warnt er mit Blick auf
einen anderen Konflikt, die EU sei auf den Fall der Fälle
vorbereitet.

Brüssel (dpa) - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat US-Präsident
Donald Trump zur Einhaltung des im vergangenen Sommer geschlossenen
Zollabkommens mit der EU aufgefordert. «Europa steht zu den Zusagen
und ich erwarte das jetzt von der amerikanischen Seite auch», sagte
der Vizekanzler und SPD-Vorsitzende am Rande eines EU-Treffens in
Brüssel. Zölle schadeten den Unternehmen und den Arbeitsplätzen auf
beiden Seiten.

Zugleich machte Klingbeil deutlich, dass die USA mit einer Reaktion
rechnen müssen, sollte Trump die US-Einfuhrzölle auf Autos und
Lastwagen aus der EU wie am Freitag angekündigt auf 25 Prozent
erhöhen. «Unser Weg ist klar: Wir wollen keine Eskalation», sagte er.

Aber natürlich sei auch klar, dass die EU auf eine Eskalation
vorbereitet sei. 

Klingbeil erwähnte in diesem Zusammenhang den Grönland-Konflikt, in
dem die EU Trump mit Sonderzöllen auf US-Importe im Wert von 93
Milliarden Euro gedroht hatte. Brüssel hatte damit auf
Strafzolldrohungen von Trump reagiert, mit denen dieser einen Verkauf
der riesigen Arktisinsel an die USA erzwingen wollte.

Klingbeil nimmt Merz in Schutz

Klingbeil nahm zudem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegen Kritik
an dessen Äußerungen zur Iran-Politik Trumps in Schutz. Merz seien
ein enges transatlantisches Verhältnis und der Austausch mit Trump
wichtig, sagte der SPD-Politiker. «Dabei hat er meine volle
Unterstützung», ergänzte er.

Merz hatte zuvor Anfang vergangener Woche bei einer Diskussion mit
Schülern gesagt, die USA könnten den Krieg nicht schnell beenden,
«weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die
Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich
überzeugende Strategie haben».

Trump attackierte Merz im Anschluss persönlich und warf ihm vor,
keine Ahnung zu haben, wovon er spreche. Danach kündigte er den Abzug
von Soldaten aus Deutschland sowie die Zollerhöhungen an, die
ebenfalls vor allem Deutschland treffen.