EZB-Präsidentin plädiert für mehr erneuerbare Energien
05.05.2026 16:18
Der Iran-Krieg hat die Preise für Öl und Gas hoch getrieben. Aus
Sicht von EZB-Präsidentin Lagarde muss Europa bei der Abhängigkeit
von fossilen Energien handeln - auch aus Wirtschaftsinteressen.
Frankfurt/Main (dpa) - EZB-Präsidentin Christine Lagarde plädiert
auch angesichts des Iran-Kriegs für den Ausbau erneuerbarer Energien.
«Europa importiert rund 60 Prozent seiner Energie - nahezu
vollständig in Form fossiler Brennstoffe», sagte die Französin in
Frankfurt auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank zu Klima,
Natur und Geldpolitik. «Die heutigen, stark steigenden Energiepreise
führen die Kosten dieser Abhängigkeit vor Augen.»
Alternative Energiequellen böten den besten Weg, um die Zielkonflikte
zwischen den energiepolitischen Zielen Europas - Sicherheit,
Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit - zu verringern, sagte Lagarde.
Spanien und Portugal besser vor Anstieg der Gaspreise geschützt
Eine Analyse der EZB zum aktuellen Energiepreisschock zeige, dass
Länder, in denen ein höherer Anteil des Stroms aus nicht-fossilen
Quellen erzeugt werde - wie etwa Spanien und Portugal - besser vor
dem Anstieg der Gaspreise geschützt seien.
Lagarde verwies auch auf die Kosten des Klimawandels. Ein
Wetterereignis, das die landwirtschaftliche Produktion
beeinträchtige, könne die Lebensmittelpreise hochtreiben. So habe die
Hitzewelle des vergangenen Sommers die Preise für unverarbeitete
Lebensmittel im Euroraum nach einem Jahr schätzungsweise um bis zu
0,7 Prozentpunkte erhöht.
Lagarde: Klimawandel trifft die Wirtschaft
Solche Ereignisse könnten aber auch die Wirtschaftsleistung belasten,
und das wahrscheinlich hartnäckiger als früher angenommen. «Analysen
der EZB haben ergeben, dass die regionale Wirtschaftsleistung vier
Jahre nach einer Dürre oder Überschwemmung im Durchschnitt um rund 3
Prozentpunkte gedrückt bleibt.»
Wegen des Iran-Kriegs haben sich Erdöl und Gas am Weltmarkt rasant
verteuert, was Unternehmen und Verbraucher belastet. Mit dem
Energiepreisschock stieg die Inflation in der Eurozone im April auf
drei Prozent - weit mehr als das mittelfristige EZB-Ziel von zwei
Prozent. Wegen des Inflationsdrucks zeichnet sich eine
Leitzinserhöhung im Juni ab.
