Hessen verliert mehr EU-Arbeitskräfte als neu zuziehen

06.05.2026 11:00

Weniger Willkommenskultur für Ausländer, mehr Rückkehr in
Heimatstaaten? Hessens Arbeitsmarkt steht laut einer Datenauswertung
vor neuartigen Herausforderungen.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Angesichts einer gesunkenen Zahl von
Arbeitskräften aus anderen EU-Ländern warnt Hessens
Integrationsministerin Heike Hofmann vor einem unfreundlichen Umgang
mit Ausländern. Entsprechende Äußerungen seien auch ein
wirtschaftlicher «Standortnachteil», sagte die SPD-Politikerin laut
Mitteilung anlässlich der Vorstellung der achten Auflage des
Hessischen Integrationsmonitors in Wiesbaden. Dieser basiert auf
einer Auswertung von Statistiken, Umfragen und ähnlichen
Zahlenwerken.

Hessen ist laut Hofmanns Ministerium angesichts des Fach- und
Arbeitskräftemangels auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen. «Schon
seit 2020 ist der Beschäftigungszuwachs am hessischen Arbeitsmarkt
allein auf ausländische Beschäftigte zurückzuführen - gleichzeitig

aber ziehen mehr Menschen aus klassischen Ländern der
Arbeitsmigration wie Polen, Bulgarien oder Rumänien von hier weg, als
neu hinzukommen», hieß es. 

Polnische Arbeitskräfte zieht es wieder in die Heimat

Polnische Bürger in Hessen etwa kehrten teils zurück in ihre Heimat,
wo die Wirtschaft heute besser floriere als vor mehreren Jahren. Auch
in anderen Herkunftsländern habe sich die ökonomische Perspektive
verbessert, ergänzte das Integrationsministerium.

Weiter erklärte es: «2024 sind aus Rumänien, Polen und Bulgarien
weniger Menschen nach Hessen gekommen als in ihr Heimatland
zurückgingen - damit hat Hessen erstmalig einen negativen
EU-Zuwanderungssaldo.» 

Ein weiterer Grund für weniger Zuzüge ist laut Hofmann, dass Menschen
von einer abnehmenden Willkommenskultur und von
Ausgrenzungserfahrungen in Deutschland berichteten. «Das muss uns
wirklich große Sorgen bereiten.» Eine Prognose gehe von 240.000
fehlenden Fachkräften in Hessen bis 2030 aus. 

Hofmanns Ministerium verwies auf Zahlen des Integrationsmonitors,
wonach der Beschäftigtenzuwachs in Hessen allein auf
sozialversicherungspflichtige Ausländer zurückzuführen sei: «Von
Januar 2020 bis Juni 2025 stieg deren Zahl um 28 Prozent von knapp
440.000 auf jetzt rund 560.000 Beschäftigte. Die Zahl der deutschen
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank im selben Zeitraum
hingegen minimal um 6.000 auf rund 2,2 Millionen.»

Mehr Lesen üben?

Hinsichtlich der Bildung deckt der Integrationsmonitor ein weiteres
Defizit auf: 46 Prozent der Neuntklässler mit ausländischen Wurzeln
erreichen demnach beim Lesen nicht die schulischen Mindeststandards -
mit steigender Tendenz. Hofmann betonte: «Das ist ein klarer Auftrag
an uns: Wir müssen weiter intensiv an der Sprachbildung arbeiten.»

Bei Asylsuchenden, die meist erst mit Verzögerung in Deutschland
arbeiten dürfen, sind die Zahlen in Hessen laut Integrationsmonitor
deutlich gesunken: «2025 kamen demnach knapp 8.000 Asylbewerberinnen
und -bewerber nach Hessen - der abgesehen vom Corona-Jahr 2020
niedrigste Wert seit 2012.» 

Ein Krieg endet, ein neuer beginnt

Hofmann erklärte dies vor allem mit einer «veränderten Situation in
Herkunfts- und Transitländern». Als Beispiel nannte sie unter anderem
Syrien - dort war vor eineinhalb Jahren ein lange andauernder
Bürgerkrieg zu Ende gegangen. Der aktuelle Iran-Krieg hat dagegen
laut Hofmann «bislang noch keinen Einfluss auf die Zahl der
Geflüchteten in Hessen».