EU gegen Altkanzler Schröder als Ukraine-Vermittler

11.05.2026 12:13

Putins Vorschlag, Altkanzler Schröder in Friedensgespräche
einzubinden, stößt in der EU und der Ukraine auf deutliche Ablehnung.
Könnte jemand anders den Job übernehmen?

Brüssel (dpa) - Die von Russlands Präsident Wladimir Putin
vorgeschlagene Einbindung von Altkanzler Gerhard Schröder in
Ukraine-Friedensverhandlungen stößt in der EU und in der Ukraine auf
klare Ablehnung. 

«Wenn wir Russland das Recht geben würden, in unserem Namen einen
Verhandlungsführer zu benennen, wäre das nicht sehr klug», sagte die

EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas am Rande eines Außenministertreffens in
Brüssel. Schröder sei hochrangiger Lobbyist für russische
Staatsunternehmen gewesen. Daher sei klar, warum Putin ihn haben
wolle: «Dann säße er gewissermaßen auf beiden Seiten des Tisches»
,
sagte sie.

Der als Gast zu dem EU-Treffen gereiste ukrainische Außenminister
Andrij Sybiha sagte zu einem möglichen Vermittlereinsatz von
Schröder: «Wir unterstützen das nicht.» Es gebe «viele andere w
ürdige
Führungspersönlichkeiten», die für die EU verhandeln könnten.

Altkanzler gilt als Putin-Freund

Ähnlich kritisch äußerten sich andere Teilnehmer des Treffens. Die
österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger sagte, aus
ihrer Sicht müsse eine Person oder ein Team für mögliche
Verhandlungen mit Russland nominiert werden. Die Auswahlentscheidung
werde aber die EU treffen und nicht Russland.

Ihre schwedische Kollegin Maria Malmer Stenergard ordnete Putins
Vorstoß als Ablenkungsmanöver ein. Putin sei bislang nicht wirklich
an Friedensgesprächen interessiert, sagte sie. Was es brauche, seien
weitere Sanktionen, um den Druck auf Russland zu erhöhen.

Estlands Außenminister Margus Tsahkna sagte: «Gerhard Schröder ist
Putins Idee. (...) Gerhard Schröder wird nicht Europa vertreten.»
Dafür habe man die europäischen Institutionen und Vertreter wie
Kallas, Ratspräsident António Costa und EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen.

Keine Unterstützung von der Bundesregierung

Der in Vertretung des deutschen Außenministers Johann Wadephul nach
Brüssel gereiste Europastaatsminister Gunther Krichbaum äußerte sich

ebenfalls ablehnend. «Wie Sie wissen, muss ein Vermittler von beiden
Seiten akzeptiert werden», sagte der CDU-Politiker. 

Altkanzler Schröder habe sich in der Vergangenheit «sicherlich sehr
vereinnahmen lassen durch Herrn Putin». Er habe nicht unbedingt so
gehandelt, um als neutraler Vermittler auftreten zu können. «Enge
Freundschaften mögen überall legitim sein auf dieser Welt, aber sie
tragen nicht dazu bei, dass man deshalb auch als lauterer
Vermittlungspartner dann wahrgenommen werden kann.»

Kremlchef Putin hatte Altkanzler Schröder bei einer Pressekonferenz
nach der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau als
Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel
gebracht. Obwohl sich die USA um Vermittlung bemüht hätten, könne er

sich von europäischer Seite den früheren SPD-Chef als Vermittler
vorstellen, sagte Putin. «Von allen europäischen Politikern würde ich

Gespräche mit Schröder bevorzugen.»