Berichte: Auch Minister legen Premier Starmer Rücktritt nahe
12.05.2026 00:16
Nach schweren Verlusten bei den Wahlen in Großbritannien versucht
sich der britische Premier über Wasser zu halten - und verliert nun
Rückhalt in seiner Partei.
London (dpa) - Nach dem Wahldebakel seiner Labour-Partei gerät der
britische Premierminister Keir Starmer immer mehr unter Druck. Nach
Informationen der BBC soll Innenministerin Shabana Mahmood ihm
geraten haben, einen Zeitplan für seinen Rücktritt vorzulegen. Der
Sender Sky und der «Guardian» meldeten, auch Außenministerin Yvette
Cooper habe dem Regierungschef einen Rücktritt nahegelegt.
Nun soll Starmer vor einer Kabinettssitzung an diesem Dienstag seine
Optionen abwägen. Es gebe im Kabinett derzeit «unterschiedliche
Ansichten darüber, wie es weitergehen soll und was im besten
Interesse von Partei und Land ist», sagte ein Kabinettsminister dem
«Guardian».
Mehr als 70 der gut 400 Labour-Abgeordneten, darunter viele
Hinterbänkler, entzogen dem angeschlagenen Regierungschef im Laufe
des Montags laut Sky und BBC öffentlich ihre Unterstützung. Zudem
kündigten gleich vier parlamentarische Assistenten seiner Minister am
Abend ihren Rücktritt an und forderten Starmer auf, das Feld zu
räumen.
Labour hatte vergangene Woche bei den Kommunalwahlen in England über
1.400 Mandate in kommunalen Gremien verloren. Bei der Parlamentswahl
in Wales, der jahrzehntelangen Labour-Hochburg, rutschte die Partei
hinter die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru und Reform UK auf Platz
drei.
Starmer gibt sich kämpferisch
Am Montagabend traten zunächst ein Mitarbeiter von
Gesundheitsminister Wes Streeting, Joe Morris, und ein Mitarbeiter
aus dem Umweltministerium, Tom Rutland, zurück. Kurz darauf folgten
Naushabah Khan aus dem Cabinet Office und Melanie Ward aus dem Team
von Vize-Regierungschef David Lammy.
Sie alle haben die Position des Parliamentary Private Secretary (PPS)
inne, eine Art Assistenzposten. Sie werden von Ministerinnen und
Ministern ernannt und fungieren laut der Parlamentswebseite als deren
«Augen und Ohren» im Unterhaus. Die unbezahlte Position ist für
ambitionierte Abgeordnete oft der erste Regierungsposten.
Rücktrittsforderungen hatte Starmer bereits mehrfach abgelehnt, bei
einer Krisenrede am Vormittag gab er sich kämpferisch. Er wisse, dass
er Zweifler habe und diese von sich überzeugen müsse - «und das werde
ich», sagte er. Nach seiner Rede bekam der Premier auch Zuspruch aus
den eigenen Reihen.
