Bundesbankpräsident Nagel warnt vor steigender Inflation
13.05.2026 09:07
Bundesbankchef Nagel sieht für Verbraucher noch kein Ende bei
steigenden Preisen. Welche Faktoren die Inflation weiter antreiben
könnten und was das für die nächste EZB-Sitzung bedeutet.
Düsseldorf/Frankfurt (dpa) - Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat
vor einer höheren Inflation gewarnt und eine schnelle Zinserhöhung
durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf der nächsten Zinssitzung
im Juni in Aussicht gestellt. «Wir können die hohen Energiepreise
nicht ausblenden», sagte Nagel dem «Handelsblatt». «Zinserhöhunge
n
werden immer wahrscheinlicher, wenn sich das Inflationsbild nicht
grundsätzlich ändert.»
«Bei der Inflation kann noch einiges auf uns zukommen», warnte Nagel,
der auch Ratsmitglied der EZB ist. Er wollte Inflationsraten über
vier Prozent in einzelnen Monaten nicht ausschließen. Der Notenbanker
betonte: «Selbst bei einem baldigen Kriegsende könnte die
Inflationsrate deutlich länger erhöht bleiben, als wir noch vor
Wochen dachten.»
Kerninflation fällt deutlich geringer aus
Zuletzt war die Inflation in der Eurozone im April auf 3,0 Prozent
gestiegen. Sie liegt damit deutlich über dem Ziel der EZB, die eine
mittelfristige Teuerung von zwei Prozent anstrebt. Allerdings liegt
die Kernrate der Inflation, bei der schwankungsanfällige Preise für
Energie und Nahrungsmittel ausgeblendet werden, deutlich niedriger.
Da sich weiter keine Fortschritte hin zu einem Ende des Iran-Kriegs
abzeichnen und der Transport von Waren durch die Straße von Hormus
behindert bleibt, steigt an den Finanzmärkten die Erwartung, dass die
EZB die Zinsen erhöhen könnte. Der französische Notenbankchef
Francois Villeroy de Galhau machte aber im Radiosender «France Info»
deutlich, dass es noch keine ausreichenden Informationen über die
weitere Entwicklung der Kerninflation gebe.
