Umfrage: EU-Skepsis in Deutschland deutlich gestiegen
13.05.2026 10:27
Die Weltlage ist von Krisen gekennzeichnet - und in dieser Situation
sollte die Europäische Union für Stabilität und Schutz stehen. Gerade
daran haben viele Menschen aber Zweifel.
Aachen (dpa) - Die EU-Skepsis ist einer Umfrage zufolge in
Deutschland deutlich gestiegen. Demnach glauben derzeit nur noch 48
Prozent der Bundesbürger, dass die Europäische Union in unsicheren
Zeiten Schutz und Stabilität bietet. Bei einer vergleichbaren Umfrage
im Jahr 2024 waren das noch 72 Prozent. Die Umfrage wurde von der
Aachener Karlspreisstiftung beim Institut Infratest Dimap in Auftrag
gegeben. Dafür wurden vom 4. bis zum 6. Mai 1.303 Wahlberechtigte per
Telefon oder online befragt.
In den ostdeutschen Bundesländern sehen demnach sogar nur 38 Prozent
der Befragten eine Schutzfunktion der EU. Gleichzeitig bleibt der
Wunsch nach einem starken Europa groß: 82 Prozent der Befragten sind
nach wie vor der Meinung, dass Deutschland eine starke EU braucht,
«um gegen Großmächte wie Russland, China und die USA zu bestehen».
Dieser Wert ist in den vergangenen Jahren nur leicht zurückgegangen.
Der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Armin Laschet (CDU),
sagte, die Menschen wünschten sich offenbar einerseits eine starke
EU, doch diese Stärke sei für sie im Alltag und in Krisenzeiten nicht
hinreichend spürbar. Dies sei «eine besorgniserregende Diskrepanz
zwischen Wunsch und Wirklichkeit».
Am Donnerstag (14. Mai) nimmt der frühere Präsident der Europäischen
Zentralbank und ehemalige italienische Ministerpräsident, Mario
Draghi, den diesjährigen Karlspreis entgegen. Er wird für Verdienste
um die europäische Einigung verliehen.
