Ein Ticket für die ganze Fahrt - EU will einfache Zugreisen

13.05.2026 14:13

Mehr Komfort beim Buchen, weniger Stress bei Verspätungen: Die
Europäische Union will Lust aufs Zugfahren machen. Was sich bei
Reisen im Ausland ändern soll.

Brüssel (dpa) - Züge gibt es viele, aber findet man alle guten
Verbindungen leicht? Und können sich Reisende darauf verlassen, auch
im Ausland gut anzukommen? Die Europäische Union sieht hier Lücken
und will die Lage verbessern - damit Bahnfahren attraktiver wird. Was
geplant ist. 

Was soll sich beim Planen ändern?

Verbraucher sollen einem Vorschlag der EU-Kommission zufolge auf
großen Ticket-Plattformen übersichtlich alle Möglichkeiten sehen, von

A nach B zu kommen. Die verschiedenen Reise-Optionen sollen
transparent und neutral dargestellt werden - für alle Transportarten,
neben Zügen etwa auch Busse, Flüge oder Fährverbindungen. 

Plattformen sollen unter anderem Preis, Dauer, Abfahrtszeit und
Treibhausgase darstellen, aber dürfen auch weitere Filteroptionen
einführen. So könnte etwa verglichen werden, wie schnell und wie
teuer die gleiche Langstrecke mit mehreren Zügen oder einer Mischung
aus Bus, Bahn und Flugzeug zurückgelegt werden kann. 

Was soll sich beim Buchen ändern?

Reisende sollen durchgehende europäische Fahrkarten kaufen können.
Wenn sie in einem einzigen Vorgang eine Bahnfahrt mit mehreren
Betreibern buchen, gilt dies nach dem Willen der Kommission künftig
immer als ein einzelnes Ticket. Das hat große Auswirkungen auf
Verbraucherrechte bei Problemen unterwegs.

Plattformen mit besonders großer Marktmacht müssen den Plänen nach
außerdem auch Tickets ihrer Mitbewerber anbieten, wenn diese das
möchten. Als Beispiel nannte EU-Verkehrskommissar Apostolos
Tzitzikostas die Seite der Deutschen Bahn. Für unabhängige
Ticketplattformen soll es zudem einfacher werden, Tickets
verschiedener Bahnunternehmen zu verkaufen. 

Zugtickets sollen möglichst früh gekauft werden können, damit
Passagiere besser planen können. Die Brüsseler Behörde wünscht sich

mindestens fünf Monate vor der Fahrt, außer die Abfahrt steht noch
nicht im Fahrplan. 

Was soll bei Verspätungen oder Zugausfällen im Ausland gelten? 

Fahrgäste sollen bei Problemen im Ausland künftig mehr Rechte haben.
Voraussetzung ist, dass ihr Ticket als zusammenhängendes Ticket gilt
und ausreichende Umstiegszeit eingeplant war. 

Hat ein Zug Verspätung und Reisende verpassen deshalb im Ausland
ihren Anschluss, sollen sie ein Recht darauf haben, ohne zusätzliche
Kosten auf anderem Weg zu ihrem Ziel zu gelangen - also zum Beispiel
mit einem anderen Zug fahren zu dürfen. Alternativ könnten sich
Kunden für die Erstattung des Tickets entscheiden. 

Falls sie die Reise fortsetzen, haben sie außerdem unter anderem
Anspruch auf Mahlzeiten oder eine Unterkunft, wenn eine Übernachtung
nötig wird. Als Entschädigung sollen sie zudem bei Verspätungen übe
r
zwei Stunden 50 Prozent des Ticketpreises bekommen, bei kürzeren
Verspätungen ab einer Stunde 25 Prozent des Preises. Verantwortlich
für diese Fahrgastrechte ist dem Vorschlag zufolge das
Eisenbahnunternehmen, das die Störung verursacht hat. 

Was ist bisher das Problem bei Verspätungen?

Bei vielen Fahrten ins Ausland werden bisher zwei getrennte Tickets
unterschiedlicher Unternehmen ausgestellt und Kunden schließen
rechtlich gesehen zwei separate Verträge ab - selbst wenn sie die
Reise online zusammen buchen. 

Hat der erste Zug Verspätung und der Anschlusszug wird deshalb
verpasst, dürfen Reisende deswegen bisher in der Regel nicht einfach
den nächsten Zug zum Endziel nehmen. Sie haben grundsätzlich auch
ausschließlich für die Verspätung des ersten Zugs Anspruch auf
Entschädigung nach EU-Recht. Anders ist das bereits jetzt, wenn das
Ticket als durchgehendes Ticket zählt. 

Mehrere Eisenbahnen haben sich zudem untereinander darauf
verständigt, unter bestimmten Voraussetzungen Passagiere bei
Verspätungen des ersten Zugs ohne weitere Kosten im nächsten
verfügbaren Zug mitzunehmen. Dazu gehören unter anderem die Deutsche
Bahn, die ÖBB, die französische Eisenbahngesellschaft SNCF und die
Eurostar-Verbindungen. 

Wird der Vorschlag der EU-Kommission angenommen, sind künftig mehr
Passagiere geschützt. 

Was sagt die Branche?

Die Gemeinschaft der Europäischen Bahnen (englisches Akronym: CER)
warnte vor möglicherweise steigenden Ticketpreisen durch eine zu
große Macht großer Plattformen. Sie kritisierte ungeklärte
Haftungsfragen und dass es bei Flügen keine vergleichbaren
Verpflichtungen gebe. Die Interessenvertretung, zu deren Mitgliedern
auch die Deutsche Bahn gehört, wies darauf hin, dass Fahrgästen
bereits jetzt mehr und früher Tickets online buchen könnten. Die
Branche habe in den vergangenen Jahren erheblich in die technische
Angleichung beim Datenaustausch investiert. 

Über die Homepage der Deutschen Bahn beispielsweise können Kunden
auch manche Fahrten in Frankreich, Österreich, Schweden,
Großbritannien, Italien und der Schweiz buchen. 

Wie reagieren Verbraucherschützer?

Der Chef der Europäischen Verbraucherorganisation BEUC, Agustín
Reyna, äußerte sich positiv: «Dieser Vorschlag könnte genau das
Richtige sein, um die Verbraucher wieder für Bahnreisen zu
begeistern. Die Buchung von Bahntickets ist in den letzten Jahren
viel zu kompliziert geworden.» Dies könne sich durch die Buchung auf
mehr Plattformen ändern, teilte er mit. 

Auch besserer Schutz der Verbraucher bei Problemen unterwegs sei
wichtig. Nach der Vorstellung der BEUC sollen die geplanten neuen
Fahrgastrechte aber auch gelten, wenn die Tickets in getrennten
Vorgängen auf der gleichen Plattform gebucht wurden. 

Warum will Brüssel die Regeln für Züge ändern?

Zugfahren soll attraktiver werden. Verkehrskommissar Tzitzikostas
warb für das Reisen auf Schienen: «Die Bahn ist eine der sichersten,
bequemsten und nachhaltigsten Arten zu reisen. Europa verfügt bereits
über mehr als 200.000 Kilometer Eisenbahnstrecken, die unsere Länder,
Regionen und Städte miteinander verbinden.» Doch viele Europäer
empfänden das System als zu kompliziert. 

«Die Fahrgäste berichten uns immer wieder dasselbe: Die beste Route
zu finden, kann schwierig sein. Der Preisvergleich ist frustrierend.
Die Buchung grenzüberschreitender Reisen ist zu kompliziert. Und die
Fahrgastrechte im Falle eines verpassten Anschlusses sind unklar»,
sagte der Grieche. 

Wann kommen die Änderungen?

Das steht noch nicht fest - und auch nicht, ob alle kommen. Die
EU-Kommission hat ihren Vorschlag vorgelegt, über den nun in den
nächsten Monaten die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament
beraten. Nur, wenn sich die beiden Institutionen einig werden, treten
Änderungen in Kraft. Die Unternehmen sollen dann ein Jahr Zeit haben,
ihre Seiten anzupassen.