EU-Kommission spricht sich für Verbot von «Konversionstherapien» aus
13.05.2026 17:24
Die Europäische Kommission kritisiert Praktiken zur vermeintlichen
Heilung von Homo- und Transsexualität scharf. Die Verantwortung für
ein Verbot liege jedoch bei den Mitgliedsländern, heißt es.
Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission will eine Empfehlung an
EU-Mitgliedstaaten für ein Verbot von sogenannten
Konversionsbehandlungen vorlegen. Damit reagierte die Brüsseler
Behörde auf eine Europäische Bürgerinitiative mit mehr als 1,1
Millionen Unterstützerinnen und Unterstützern, die von der Kommission
insbesondere ein EU-weites rechtsverbindliches Verbot von den
Praktiken forderte. Diese zielen darauf ab, Menschen von ihrer
sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder dem
Geschlechtsausdruck abzubringen.
Die - für Mitgliedstaaten nicht verbindliche - Empfehlung will die
Behörde im nächsten Jahr verabschieden. Die Verantwortung liege vor
allem bei den Mitgliedstaaten, sagte die zuständige EU-Kommissarin
für Gleichberechtigung Hadja Lahbib. Sie müssten den schädlichen
Praktiken ein Ende setzen. Die Eingriffe beruhen laut Mitteilung der
Kommission auf der falschen Vorstellung, dass LGBTIQ+-Menschen krank
seien. Sie können demnach langfristige psychische und körperliche
Schäden verursachen.
In acht EU-Mitgliedsländern gilt bereits ein Verbot
In Deutschland sind Praktiken zur vermeintlichen Heilung von Homo-
und Transsexualität bei Kindern und Jugendlichen seit 2020 verboten.
An Erwachsenen sind Maßnahmen unter bestimmten Umständen erlaubt.
Gesetzliche Verbote gibt es laut EU-Kommission in sieben weiteren
EU-Ländern: Belgien, Griechenland, Spanien, Frankreich, Zypern, Malta
und Portugal.
Die Kommission verwies auf einen Bericht der Agentur der Europäischen
Union für Grundrechte, demzufolge rund jede vierte LGBTIQ+-Person in
der EU solche Praktiken erlebt hat. Die Betroffenen berichten von
körperlicher und sexueller Gewalt, verbalen Misshandlungen und
Demütigungen. Transpersonen seien besonders betroffen.
Nach eigenen Angaben wird die Kommission nun mit der Ausarbeitung der
Empfehlung beginnen.
