«Super Mario» mit Karlspreis ausgezeichnet
14.05.2026 12:34
Mario Draghi versprach einst, den Euro zu retten - «whatever it
takes». Jetzt nahm er den Karlspreis in Empfang. Kanzler Merz sieht
ihn als Vorbild auch in der heutigen Krisenzeit.
Aachen (dpa) - Für Verdienste um die europäische Einigung ist der
italienische Politiker und Finanzexperte Mario Draghi im Aachener
Rathaus mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden. «Ich denke, Sie
werden verstehen, dass seine Freunde ihn Super Mario nennen», sagte
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in seiner Festrede. Damit spielte
er auf eine berühmte Videospielfigur, einen italienischen Klempner
mit roter Mütze und Schnurrbart, an.
Draghi habe den Euro in bedrohlicher Zeit stabilisiert, sagte Merz.
«Sie haben etwas riskiert, es hätte scheitern können.» Aber es habe
sich ausgezahlt. «Der Euro ist heute unangefochten.» Der heute 78
Jahre alte Draghi hatte 2012 auf dem Höhepunkt der Euro-Krise als
Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) gesagt, man werde tun,
«whatever it takes» - was immer nötig ist -, um die gemeinsame
Währung zu sichern.
Merz sagte, heute stehe Europa erneut und in ungekannter Weise unter
Druck. Auch hier habe Draghi vor zwei Jahren mit dem nach ihm
benannten Report zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit den richtigen
Weg gewiesen.
Europa droht zum reinen Zuschauer zu werden
Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sagte als
zweiter Festredner, in der Euro-Krise hätten viele behauptet,
Griechenland sei nicht reformfähig. Andere, unter ihnen Mario Draghi,
hätten das anders gesehen. Heute stehe fest, dass dieses Vertrauen in
Griechenland gerechtfertigt gewesen sei.
Die heutigen Herausforderungen seien anders: Die europäische
Wettbewerbsfähigkeit verschlechtere sich zusehends. «Es besteht die
Gefahr, dass Europa (....) zum Zuschauer von Entscheidungen wird, die
anderswo getroffen werden.» Der Draghi-Report zeige auf, wie Europa
auch diese Krise meistern könne. Dazu gehöre auch die Verbesserung
der europäischen Verteidigungsfähigkeit. Wenn sich Europa zum Handeln
entschließe nach dem Motto «whatever it takes», könne es auch heute
noch Geschichte schreiben, sagte Mitsotakis.
