Brantner für Debatte über gemeinsame nukleare Abschreckung Europas

14.05.2026 17:00

Wie kann Europa angesichts von Bedrohungen verteidigungsfähiger
werden? Die Grünen-Chefin gibt Antworten.

Berlin/Oxford (dpa) - Grünen-Chefin Franziska Brantner hat sich
angesichts der Bedrohung durch Russland für eine offene Debatte über
eine gemeinsame nukleare Abschreckung in Europa ausgesprochen.
Brantner sagte bei einer sicherheitspolitischen Grundsatzrede an der
Universität Oxford in England laut einem vorab verbreiteten
Redemanuskript, die Debatte über eine Ausweitung des britischen und
französischen nuklearen Schutzschirms nach Osten - bis vor Kurzem
noch undenkbar - habe nun begonnen. Es sei die schwierigste Debatte
im Bereich der europäischen Sicherheit - und sie sei überfällig.

Die Aussagen Brantners sind für eine Grünen-Chefin bemerkenswert -
gab und gibt es doch in ihrer Partei einige Stimmen, die sich für
einen Abzug der Atomwaffen aus Deutschland und ein Ende der nuklearen
Teilhabe aussprechen. 

Anders als Frankreich, Großbritannien und die USA ist Deutschland
keine Atommacht. Die Bundesrepublik stellt aber im Rahmen der
nuklearen Abschreckung der Nato Kampfflugzeuge bereit, die im
Verteidigungsfall mit US-Atombomben bestückt werden könnten, die in
Deutschland lagern. Dieses Konzept wird als nukleare Teilhabe
bezeichnet. 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Beschaffung deutscher
Atomwaffen ausgeschlossen. Vorstellen kann sich Merz aber,
Bundeswehr-Flugzeuge für einen möglichen Einsatz französischer oder
britischer Atombomben bereitzustellen. Merz hatte bei der Münchner
Sicherheitskonferenz gesagt, dass er mit dem französischen
Präsidenten Emmanuel Macron Gespräche über eine gemeinsame
europäische Abschreckung führe. 

«Stimmung eines einzigen Mannes» 

Brantner ging in ihrer Rede auf die Folgen des russischen
Angriffskriegs gegen die Ukraine ein sowie auf die Zukunft der Nato
angesichts des Kurses von US-Präsident Donald Trump. «Die
Verteidigung Europas hängt nun zum Teil von der Stimmung eines
einzigen Mannes in Washington ab. Das ist keine tragfähige Grundlage
für unsere Sicherheit - für die Sicherheit einer halben Milliarde
Menschen.» Den von Trump angekündigten Abzug von 5.000 US-Soldaten
aus Deutschland nannte Brantner aufschlussreich.

Die Grünen-Chefin sprach sich für eine europäische Sicherheits- und
Verteidigungsstrategie aus. Russland stelle die ernsthafteste
Bedrohung für die europäische Sicherheitsordnung dar und werde dies
für mindestens eine Generation bleiben - unabhängig davon, wie der
Krieg in der Ukraine ende.

Europäische Verteidigungsunion 

Bisher aber gebe es kein europäisches Oberkommando. Das sei nicht
tragfähig. Sie sprach sich für eine Europäische Verteidigungsunion
aus. Dies werde nicht das Projekt aller 27 EU-Mitgliedstaaten sein.
Es sei eine «Koalition der Mutigen» notwendig. Unbedingt dabei sein
müssten Frankreich, Deutschland, Polen, Spanien, Italien, die
baltischen und die nordischen Staaten und die Niederlande - dazu die
Nicht-Mitgliedsstaaten Norwegen und Großbritannien.