Britische Fleischexporte in die EU seit Brexit eingebrochen

16.05.2026 05:19

Bürokratie und hohe Kosten setzen britischen Fleischproduzenten zu.
Ein überarbeitetes Abkommen mit der EU soll Exporte erleichtern - und
die Branche wiederbeleben.

London (dpa) - Britische Fleischexporte in die Europäische Union sind
seit dem Brexit eingebrochen. Die Ausfuhr von Schweinefleisch sei
seit 2019 um mehr als ein Drittel zurückgegangen, Rindfleisch um gut
20 Prozent und Lammfleisch um mehr als 15 Prozent, teilte der Verband
der britischen Fleischproduzenten (BMPA) mit. Die
Mitgliedsunternehmen klagten über bürokratische Hürden sowie stetig
steigende Kosten für die Einhaltung von Vorschriften.

Großbritannien war Ende Januar 2020 aus der EU ausgetreten und ist
seit 2021 auch nicht mehr Mitglied der EU-Zollunion und des
Binnenmarkts. Trotz eines in letzter Minute vereinbarten
Freihandelsabkommens kommt es zu bürokratischen Hürden und anderen
Handelshemmnissen.

Hohe Kosten für Zertifikate

Die laufenden Jahreskosten für die Branche für Exportzertifizierungen
betrügen mittlerweile mehr als 50 Millionen Pfund (57,44 Mio. Euro),
betonte der Verband. «Für Exporteure können nun bei jeder Lieferung
zusätzliche Kosten in Höhe von 2.500 bis 3.000 Pfund pro Ladung
anfallen - verursacht durch bürokratischen Aufwand, Kontrollen und
Verzögerungen an den Grenzen.»

BMPA-Chef John Powell will am Dienstag vor dem EU-Ausschuss des
britischen Oberhauses auf das Problem aufmerksam machen sowie für das
neue sogenannte SPS-Abkommen mit der EU werben. Das würde Kontrollen
von Lebensmitteln sowie von lebenden Tieren, Futtermitteln, Pflanzen
oder Saatgut erleichtern.

Werbung für neues Abkommen über Lieferung von Lebensmitteln

Dadurch könnten Handelsströme wiederbelebt, kleinere Exporteure
unterstützt und engere Geschäftsbeziehungen zu Kunden in der EU
wiederaufgebaut werden, hieß es vom BMPA weiter. «Die EU bleibt für
das Vereinigte Königreich der nächstgelegene und wichtigste
Absatzmarkt für rotes Fleisch; auf sie entfallen bis zu 90 Prozent
der Schaffleischexporte und rund 80 Prozent der Rindfleischexporte.
Die Wachstumschancen in diesem Markt überwiegen daher bei Weitem jene
in weiter entfernten Märkten.»

Die Lieferketten seien bereits auf die EU-Standards ausgerichtet.
«Mit nur sehr wenigen Ausnahmen ist ein Teil jedes im Vereinigten
Königreich geschlachteten Tieres für den EU-Markt bestimmt.» Daher
würden landwirtschaftliche Betriebe, Viehtransporteure, Schlachthöfe
und Verarbeitungsbetriebe bereits jetzt in Übereinstimmung mit den
Anforderungen der EU arbeiten. Ein Großteil des derzeitigen
Zertifizierungsaufwands bestehe darin, die Einhaltung von Standards
zu prüfen.