Merkel mit Europäischem Verdienstorden geehrt

19.05.2026 14:31

Die frühere Bundeskanzlerin erhält in Straßburg eine Auszeichnung,
mit der etwa auch Bono und der ukrainische Präsident Selenskyj geehrt
werden. Vor Ort sprach sie eine Forderung aus.

Straßburg (dpa) - Die frühere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel
ist im Europaparlament für ihr Engagement für die EU mit dem
Europäischen Verdienstorden ausgezeichnet worden. Die Demokratie
stehe unter Druck, mahnte die 71-Jährige bei der feierlichen
Verleihungszeremonie vor den Abgeordneten in Straßburg. Die
CDU-Politikerin rief dazu auf, Demokratie sowie Frieden und Wohlstand
als Versprechen an die Menschen in EU-Mitgliedstaaten zu erhalten.

Im Europaparlament betonte Merkel insbesondere die Bedrohung der
Demokratie durch soziale Medien, «in denen plötzlich Fakten nicht
mehr Fakten sind». Dadurch gerieten die Grundlagen der europäischen
Aufklärung in Gefahr. Geehrt wurde Merkel unter anderem für ihre
entscheidende Rolle bei der Verabschiedung von zentralen europäischen
Verträgen sowie ihre beständige und prinzipientreue Führung.

Merkel unter den ersten Preisträgerinnen und -trägern

Merkel gehört zu den ersten 20 Preisträgerinnen und Preisträgern der

Auszeichnung, die im vergangenen Jahr eingeführt wurde. Sie erhielt
die höchste von drei Stufen der Ehrung, genauso wie etwa der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der frühere polnische
Präsident Lech Walesa. Dieser nahm ebenfalls an der Verleihung in
Straßburg teil, Selenskyj war nicht vor Ort.

Merkel wurde während ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin von 2005 bis
2021 als Krisenmanagerin Europas bekannt. In ihren 16 Jahren Amtszeit
fielen etwa die Weltfinanzkrise (ab 2007), die Eurokrise (ab 2010),
die Flüchtlingskrise 2015 und nicht zuletzt den Brexit und die
Corona-Pandemie.

Preisträger aus verschiedenen Bereichen - auch Rockband U2

Weitere Orden gingen vor allem an frühere Staats- und Regierungschefs
von EU-Ländern sowie frühere Spitzen von Institutionen wie der
Europäischen Zentralbank und Nato. Aber auch Persönlichkeiten aus
Nichtregierungsorganisationen, dem Sport, der Kirche und Musik wurden
ausgezeichnet, etwa die Rockband U2 unter Frontmann Bono, der
allerdings nicht vor Ort war. 

«Europa wurde uns nicht einfach geschenkt», sagte
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola. Es sei «Vertrag für Vertrag,
Krise für Krise» aufgebaut worden, und von Menschen, die sich für
Solidarität statt Spaltung und Zusammenarbeit statt Eigeninteresse
entschieden.