Wüst wirbt für NRW-Partnerschaft mit Schlesien
19.05.2026 17:19
Fußball, Philharmonie, Schauspiel - prominente Gesichter geben der
NRW-Schlesien-Partnerschaft neuen Schwung. Auch im Zeichen des
Ukraine-Kriegs wollen NRW und Schlesien enger zusammenarbeiten.
Kattowitz (dpa/lnw) - Angesichts des seit mehr als vier Jahre
andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wollen
Nordrhein-Westfalen und Schlesien ihre Partnerschaft neu beleben.
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) lotete am Dienstag zum Auftakt
seiner Polen-Reise bei Gesprächen in Kattowitz neue
Kooperationsmöglichkeiten aus. «Gerade in einer Zeit großer
geopolitischer Herausforderungen zeigt sich, wie wichtig starke,
verlässliche Partnerschaften in Europa sind», sagte Wüst nach
Gesprächen mit dem schlesischen Marschall Woijiech Saluga.
Das bevölkerungsreichste Bundesland und die polnische Region - beides
industriell und vom Kohleabbau geprägte Regionen - sind seit gut 25
Jahren in einer Regionalpartnerschaft verbunden.
Angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine habe sich
die Sicherheitslage in Europa grundlegend verändert, sagte Wüst.
Deutschland könne von Polen «eine ganze Menge lernen, was Resilienz
angeht, insbesondere im Umgang mit neuen Bedrohungen wie Drohnen».
Anfang November lade die Landesregierung internationale Gäste zu
einem Resilienz-Gipfel nach NRW ein, um neue Projekte anzustoßen.
Was NRW von Polen lernen kann
«Wir lernen», sagte Wüst auf die Frage, ob Deutschland die Bedeutung
der Widerstandsfähigkeit in Zeiten von Bedrohungen unterschätzt habe.
«Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.» NRW wolle mit Polen, das an
Russland und die Ukraine grenzt, den Austausch zur
Gesundheitsvorsorge in Krisenregionen vertiefen und stärker bei
Fragen der Cybersicherheit und des Umgangs mit Desinformation
zusammenarbeiten, sagte Wüst.
Verwaltungschef Saluga machte die Krisenvorsorge in Schlesien an
einem praktischen Beispiel deutlich: Wenn immer Krankenhäuser oder
Schulen neu gebaut würden, müssten diese einen Schutzbunker wie etwa
eine Tiefgarage haben. «Möchtet Ihr den Frieden haben, solltet Ihr
Euch fit für den Krieg machen», so Salugas Rat.
Wüst wollte mit Vertretern des Universitätsklinikums Münster auch das
polnische Stanis?aw Sakiel Burn Treatment Center, eine der führenden
Spezialkliniken für Brandverletzungen in Mittel- und Osteuropa
besuchen und eine Zusammenarbeit prüfen. Angesichts des
Ukraine-Kriegs mit vielen auch zivilen Brandopfern leisten solch
hochspezialisierte Zentren einen wichtigen Beitrag zur Versorgung
schwer verletzter Menschen.
Prominente sollen Partnerschaft stärken
Neuen Schwung in die Partnerschaft mit Schlesien soll auch eine
besondere Botschafter-Initiative der NRW-Landesregierung bringen.
Dafür wurden etwa der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten,
Carsten Cramer, die Intendantin der Kölner Philharmonie, Ewa
Bogusz-Moore und der Schauspieler Mateusz Dopieralski («Vito
Bambino») gewonnen. Alle drei haben persönliche Verbindungen nach
Schlesien.
Als Botschafter sollen sie und weitere Persönlichkeiten wie die
Künstlerin Alice Musiol und der frühere Staatsminister Prof.
Christoph Zöpel die Partnerschaft zwischen NRW und der polnischen
Region künftig neu beleben - jenseits der politischen Termine. «Das
macht es uns vielleicht auch leichter, Leute zu erreichen, die mit
Politik nichts zu tun haben», sagte Wüst.
Die EU auch regional stärken
Auch die Zusammenarbeit im Format des sogenannten regionalen Weimarer
Dreiecks zwischen NRW, Schlesien und der französischen Region
Hauts-de-France soll gestärkt werden. Das auf Bundesebene 1991
gegründete Weimarer Dreieck ist ein politisches Kooperationsformat
zwischen Deutschland, Frankreich und Polen. Diese Partnerschaft sei
auch das Fundament für ein starkes und handlungsfähiges Europa, sagte
Wüst. Echte Partnerschaft gebe es aber nur, wenn auch ein
europäisches Zusammengehörigkeitsgefühl entstehe und es
grenzüberschreitende Freundschaften zwischen den Menschen gäbe.
Zwar seien auch die deutsch-polnischen Beziehungen längst gemeinsamer
europäischer Alltag. «Dennoch wissen wir auch, dass die Beziehungen
in der jüngeren Vergangenheit nicht immer einfach waren», sagte Wüst.
Der Umgang mit den Folgen der deutschen Besatzung Polens im Zweiten
Weltkrieg und polnische Reparationsforderungen sind ein Dauerthema in
den Beziehungen beider Länder.
NRW ist seit vielen Jahren mit Polen eng verbunden. Im
bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland leben rund 800.000
Menschen mit polnischen Wurzeln.
Am Mittwoch besucht Wüst erstmals das ehemalige deutsche
Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
