Studie warnt: EU-Agrarreform trifft Sachsen besonders hart

22.05.2026 13:37

Nicht nur die ostdeutsche Landwirtschaft ist beunruhigt. Die geplante
Reform der europäischen Agrarpolitik würde vor allem zulasten der
Branche im Osten gehen, sagen Kritiker.

Dresden (dpa/sn) - Die geplante Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik
(GAP) in der EU sorgt in Sachsen für wachsende Unruhe. Am Freitag
reihte sich auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) in die Reihen der Kritiker ein und sprach von «hohen Risiken
für Natur und Landwirtschaft» im Freistaat. «Eine Reform der
Agrarförderung muss sozial gerecht, ökologisch wirksam und an die
Agrarstrukturen in den Bundesländern angepasst sein, und
perspektivisch dürfen Steuergelder als Subventionen nur noch für
öffentliche Leistungen wie etwa im Umweltschutz ausgegeben werden»,
erklärte BUND-Chef Felix Ekardt. 

BUND befürchtet Abbau von Agrarumweltmaßnahmen

Sachsen habe in den vergangenen Jahren wichtige Agrarumweltmaßnahmen
aufgebaut - zumindest in Ansätzen, betonte Ekardt und verwies auf
Biodiversität, Insektenschutz und Ökolandbau. «Diese Programme sind
zentral für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Wenn neue
Finanzierungsregeln dazu führen, dass genau diese Maßnahmen
zurückgefahren werden, wäre das ein massiver Rückschritt für
Landwirtschaft, Natur und die Entwicklung ländlicher Räume.»

GAP finanziert auch Maßnahmen im Dienste der Umwelt

Aus der GAP erhalten Agrarbetriebe direkte Einkommenshilfen. Zugleich
werden darüber Umweltmaßnahmen finanziert. Das Problem: Die
vorgesehenen Kürzungen setzen stark bei der Betriebsgröße an.
Ostdeutsche Betriebe wären davon besonders betroffen, weil sie
historisch oft größer gewachsen sind. In Sachsen bewirtschaften
allein die 100 größten Agrarunternehmen rund 30 Prozent der
landwirtschaftlichen Fläche, stellte der BUND klar. Damit würden
Kürzungen nach Betriebsgröße gerade ostdeutsche Agrarstrukturen
benachteiligen und zugleich den Druck auf Umweltmaßnahmen erhöhen.

Studie im Auftrag der Grünen warnt vor Auswirkungen

Auch eine aktuelle Studie im Auftrag der Grünen-Fraktion im
Sächsischen Landtag hatte dieser Tage vor erheblichen Folgen für
Sachsen: Je nach Ausgestaltung der Reform könnten die Direktzahlungen
um 28 bis 51 Prozent sinken. Statt bisher rund 164 Millionen Euro
jährlich kämen nur noch 82 bis 120 Millionen Euro im Freistaat an.
Außerdem sollen die Länder fortan mehr eigenes Geld aufbringen, um
Agrarumweltmaßnahmen zu finanzieren. Für Sachsen ergäbe sich ein
zusätzlicher Finanzbedarf von rund 34 Millionen Euro pro Jahr.

Günther: Ostdeutsche Belange stärker berücksichtigen

Sachsens früherer Agrarminister Wolfram Günther forderte eine
stärkere Berücksichtigung ostdeutscher Belange in der europäischen
Debatte. «Die Reformpläne der EU-Kommission benachteiligen Sachsen
und Ostdeutschland strukturell. Wer gleiche Wettbewerbsbedingungen
will, darf regionale Unterschiede in der Agrarstruktur nicht
ignorieren», betonte der frühere Agrarminister. «Wenn
Umweltleistungen künftig von klammen Landeshaushalten abhängen, wird
Natur- und Klimaschutz zur Verhandlungsmasse. Das ist der falsche Weg
für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.»

Betroffen wären vor allem regional verankerte Betriebe

Alfons Balmann, Leiter des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in
Transformationsökonomien und Mitautor der Studie, warnte vor massiven
Verwerfungen insbesondere in Ostdeutschland. «Die geplante Kappung
von Direktzahlungen trifft nicht anonyme Großinvestoren, sondern
regional verankerte Betriebe, wie Agrargenossenschaften, deren
Beschäftigte und zigtausende Verpächter in ländlichen Regionen.» F
ür
Sachsen drohten Wertschöpfungsverluste von rund 100 Millionen Euro
jährlich. 

Der BUND Sachsen unterstützt die Forderung der ostdeutschen
Agrarminister nach grundlegenden Nachbesserungen der GAP-Pläne auf
Bundes- und EU-Ebene. Bereits im Januar hatten sie in der «Berliner
Erklärung» vor einer Benachteiligung ostdeutscher Agrarstrukturen
durch Kappung und Degression gewarnt. Die aktuelle Studie zeige nun
zusätzlich, dass auch Umwelt- und Naturschutzprogramme unter Druck
geraten könnten, hieß es.