EU und Mexiko stärken Partnerschaft mit neuem Abkommen
23.05.2026 01:47
Parmaschinken, Bayerisches Bier und Tiroler Speck: Das modernisierte
Handelsabkommen schützt europäische Spezialitäten und baut Zölle ab
.
Es geht aber nicht nur um Handel.
Mexiko-Stadt (dpa) - Nach zehnjährigen Verhandlungen haben die
Europäische Union und Mexiko ein modernisiertes Handels- und
Kooperationsabkommen unterzeichnet. «Angesichts der aktuellen
geopolitischen Lage ist unsere Partnerschaft wichtiger denn je»,
sagte EU-Ratspräsident António Costa in Mexiko-Stadt.
Mit dem neuen Abkommen hebt Mexiko nahezu alle bestehenden Zölle auf
EU-Einfuhren auf. Zudem werden bürokratische Handelshemmnisse
beseitigt. Ebenso soll der Zugang zu öffentlichen Aufträgen
erleichtert werden. Das Abkommen umfasst auch den digitalen Handel.
Vor der Unterzeichnung trafen sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula
von der Leyen und Costa mit der linksgerichteten mexikanischen
Präsidentin Claudia Sheinbaum. Es war das erste Gipfeltreffen
zwischen der EU und der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas
seit zehn Jahren. Laut von der Leyen will Europa das Abkommen mit
Investitionen in Höhe von fünf Milliarden Euro unterstützen. Diese
sollen in Infrastrukturprojekte in Mexiko fließen.
Angesichts der Politik von US-Präsident Donald Trump und weiterer
globaler Herausforderungen wollen die EU und Mexiko ihre
Handelsbeziehungen diversifizieren und ihre Partnerschaft aufbauen.
Neben Handelsfragen umfasst die neue Fassung auch Regelungen zu
Themen wie Klimawandel, Menschenrechten und internationaler
Zusammenarbeit.
Mexiko schützt europäische Herkunftsangaben
Einem Bericht der deutschen Wirtschaftsförderungsagentur GTAI zufolge
beseitigt Mexiko schrittweise Zölle auf Produkte wie Geflügelfleisch,
Schweinefleisch, Käse und Schokolade. Geschützt werden mit dem
Abkommen auch Herkunftsangaben wie etwa Parmaschinken, Bayerisches
Bier und Tiroler Speck. Die EU sichere sich zudem den Zugang zu
kritischen Rohstoffen.
Unterzeichnet wurde ebenfalls ein Interimshandelsabkommen. Nach
Abschluss des Ratifizierungsprozesses innerhalb der EU soll es dann
durch das Globalabkommen ersetzt werden.
Mexiko hat 130 Millionen Einwohner und ist die zweitgrößte
Volkswirtschaft Lateinamerikas. Aufgrund der Nachbarschaft zu den USA
und des nordamerikanischen Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada
ist das Land ein wichtiger Produktionsstandort auch für deutsche
Unternehmen.
Positive Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
«Das modernisierte Abkommen schafft im deutsch-mexikanischen Handel
ein Plus an Rechtssicherheit und Planbarkeit in einem zunehmend
disruptiven Handelsumfeld», sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der
Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie.
Aus Sicht von Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses
im Europäischen Parlament, gibt das modernisierte Abkommen offenem
und fairem Handel Rückenwind. «Europa setzt auch in turbulenten
Zeiten auf Partnerschaft statt Isolation», sagte Lange. Rund 95
Prozent der mexikanischen Zölle auf EU-Agrarexporte würden abgebaut.
Mehr als 70 Nichtregierungsorganisationen aus Lateinamerika und der
EU, kritisierten dagegen die Vereinbarung. «Statt einer echten
Modernisierung wurden vor allem die Privilegien für Konzerne
ausgeweitet», erklärte Bettina Müller von der NGO PowerShift aus
Berlin.
