Brief an Merz: Chemie macht Druck bei EU-Emissionshandel

23.05.2026 04:00

Die deutsche Chemielobby dringt bei Kanzler Merz, sich bei der
anstehenden Reform des EU-Emissionshandels für die Branche
einzusetzen. Sie warnt vor Belastungen für die Schlüsselindustrie.

Frankfurt/Main (dpa) - Die deutsche Chemieindustrie macht vor einer
umfassenden Revision des EU-Emissionshandels Druck auf Kanzler
Friedrich Merz. Geplante neue Anforderungen, die entscheidend seien
für die Zuteilung kostenloser Emissionszertifikate, seien größer als

die Transformationsmöglichkeiten der Wirtschaft, schreibt der
Präsident des Chemieverbands VCI, Markus Steilemann, in einem Brief
an Merz.«Dies erhöht die Investitionsrisiken erheblich und schwächt
die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland und
Europa».

Zwar brächten von der EU-Kommission im Mai vorgelegte
Änderungsvorschläge punktuelle Verbesserungen, eine Entlastung für
die Chemieindustrie sei in der Breite aber nicht erkennbar, heißt es
in dem Schreiben, das der dpa vorliegt. «Insgesamt drohen weiterhin
zusätzliche Belastungen in deutlich dreistelliger Millionenhöhe pro
Jahr allein für die deutsche chemische Industrie.»

Emissionshandel vor Überprüfung

Der Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der EU auf
dem Weg zur Klimaneutralität 2050. Dabei müssen Firmen Rechte zum
Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) nachweisen. Nach
Bedarf können sie damit handeln, was in energieintensiven Branchen
als Anreiz dienen soll, Treibhausgase einzusparen. So entsteht ein
Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl

der verfügbaren Zertifikate - das soll auf effiziente Art zu mehr
Klimaschutz führen. 

Im Sommer steht eine grundlegende Revision des Emissionshandels an,
die die Kommission im Juli vorstellen will. Deutschland sprach sich
für leichte Anpassungen aus - etwa bei der Festlegung, wie viele
kostenlose Zertifikate Industrieanlagen bekommen können.

Umweltschützer alarmiert

Die Chemielobby kritisiert, dass mit der Festlegung der Menge, die
rückwirkend ab 2026 bis 2030 gilt, kurzfristige Kostenentscheidungen
getroffen würden und das direkt zu steigenden Belastungen für die
Branche führe. Die grundsätzlichen Regeln im Emissionshandel mit
weiteren Bestandteilen würden aber verhandelt werden, was Zeit
dauere. 

Zudem argumentiert der VCI, die Anforderungen dürften gar nicht
verschärft werden, weil zentrale Voraussetzungen fehlten - etwa genug
Netzanschlüsse, wettbewerbsfähige Strom- und Wasserstoffkosten sowie
eine funktionierende Infrastruktur für Wasserstoff und CO2.
Steilemann bittet Merz in dem Brief, sich bei der Kommission für eine
Aussetzung der Verschärfung einzusetzen.

Die kriselnde Chemieindustrie, die viel Strom und Gas verbraucht,
fordert schon länger Entlastung aus Brüssel beim Emissionshandel.
Schon im Januar hatten sich VCI-Präsident Steilemann und IG-BCE-Chef
Michael Vassiliadis an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
gewandt. Klimaschützer warnen dagegen, das System aufzuweichen und
fürchten Belastungen für die Umwelt.