Selenskyj pocht in Brief an EU auf volle Mitgliedschaft
23.05.2026 15:36
Kanzler Merz will der Ukraine als Antwort auf ihre Forderung nach
einem raschen EU-Beitritt einen neuen Sonderstatus als «assoziiertes
Mitglied» anbieten. Nun reagiert Präsident Selenskyj.
Kiew/Berlin (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat
nach dem Vorschlag von Kanzler Friedrich Merz zu einem Sonderstatus
für Kiew in der EU seine Forderung nach einer vollen Mitgliedschaft
bekräftigt. «Es wäre ungerecht für die Ukraine in der Europäische
n
Union präsent zu sein, aber ohne Stimme zu bleiben», schrieb
Selenskyj an die EU-Spitzen in einem Brief, der der Deutschen
Presse-Agentur vorliegt.
Der Erweiterungsprozess brauche viel zu lange, Europa müsse sich
schneller bewegen und die Ukraine nicht in einem Warteraum halten,
bis es die volle Mitgliedschaft gebe, betonte er. Merz (CDU) hatte
für die Ukraine einen Sonderstatus als «assoziiertes Mitglied» der EU
vorgeschlagen, weil ein schneller vollständiger Beitritt aus seiner
Sicht ausgeschlossen ist. Aus Sicht Berlins wird mit dem Vorschlag
eine politische Brücke gebaut.
Berlin plädiert für «pragmatische Zwischenschritte»
«Deutschland ist und bleibt der wichtigste Unterstützer der Ukraine.
Wir sehen uns auch als Wegbereiter für eine EU-Mitgliedschaft des
Landes. Jetzt ist eine ehrliche Auseinandersetzung nötig. Unser
Vorschlag dient dazu, die notwendige Debatte zu eröffnen», hieß es
Regierungskreisen in Berlin zu dem Brief des ukrainischen
Präsidenten. Es gehe um pragmatische Zwischenschritte hin zu einer
Vollmitgliedschaft der Ukraine in der EU.
«Die Vollmitgliedschaft bleibt das Ziel. In der Substanz geht es
jetzt vor allem darum, die Verhandlungskapitel zu eröffnen. Insofern
besteht eine hohe Übereinstimmung mit den Vorstellungen des
ukrainischen Präsidenten», hieß es weiter. Merz hatte seinen Vorsto
ß
mit der besonderen Lage der Ukraine als Land im Krieg und erheblichen
Fortschritten in den Beitrittsverhandlungen begründet.
Selenskyj fordert «sinnvolle Fortschritte»
Der Ukraine geht das nicht weit genug. Auch in einer Videobotschaft
pochte Selenskyj darauf, dem Land rasch eine volle Mitgliedschaft zu
gewähren. «Es kann kein vollständiges europäisches Projekt ohne die
Ukraine geben, und der Platz der Ukraine in der Europäischen Union
muss ebenfalls vollständig sein - voll und gleichberechtigt», sagte
er. «Es ist wichtig, in den Verhandlungen sinnvolle Fortschritte zu
erzielen. Es ist wichtig, zu hundert Prozent für die Sicherheit und
für unser Volk zu arbeiten.»
Selenskyj führt die Ukraine seit mehr als vier Jahren im Kampf gegen
den zerstörerischen russischen Angriffskrieg. Er will mit einer
baldigen EU-Mitgliedschaft seines Landes einen Sieg für Kiew
erringen.
