Warum manche Firmen in Sachsen-Anhalt Zölle gut wegstecken Von Daniel Josling, dpa

26.05.2026 06:00

Die US-Zollpolitik sorgt auch in Sachsen-Anhalt für Unsicherheit.
Doch einige Unternehmen kommen bislang überraschend gut durch den
Handelskonflikt. Warum sind manche Firmen widerstandsfähiger?

Halle (dpa/sa) - Trotz weiter hoher US-Zölle können einige
Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ihre Geschäfte in den Vereinigten
Staaten bislang stabil halten. Wie die Deutsche Industrie- und
Handelskammer (DIHK) auf Anfrage mitteilte, profitieren vor allem
Firmen mit spezialisierten Produkten davon, dass ihre Waren in den
USA nur schwer ersetzbar sind.

Ein Beispiel dafür ist das Schraubenwerk Zerbst. Nach Angaben von
Geschäftsführer Eckhard Schmidt blieb das USA-Geschäft des
Unternehmens trotz der höheren Zölle bislang konstant. Rund acht
Prozent des Umsatzes erzielt der Hersteller von Spezialschrauben in
den USA. Die zusätzlichen Kosten würden vor allem von den Kunden in
den Vereinigten Staaten getragen. Eine wichtige Rolle spiele dabei,
dass die Bauteile spezialisiert und schwer ersetzbar seien.

Unsicherheit trotz Zolldeal

Die Lage bleibt dennoch angespannt. Die Europäische Union und die USA
hatten sich bereits im vergangenen Jahr grundsätzlich auf eine
Obergrenze von 15 Prozent für die meisten EU-Exporte in die
Vereinigten Staaten verständigt. Vertreter von EU-Kommission,
Europaparlament und Mitgliedstaaten einigten sich nun darauf, wie die
Zusagen aus dem sogenannten Turnberry-Deal umgesetzt werden sollen.

Gerade für exportorientierte Unternehmen in Sachsen-Anhalt sorgt die
US-Zollpolitik weiter für Verunsicherung. «Die unberechenbare
Zollpolitik der USA sorgt für erhebliche Verunsicherungen bei unseren
US-aktiven Unternehmen», sagte Birgit Stodtko, Geschäftsführerin
International der IHK Halle-Dessau.

Besonders betroffen seien chemische und pharmazeutische Erzeugnisse
sowie Maschinen und Metallerzeugnisse. Auch für Automobilzulieferer
bleibe die Lage wegen möglicher weiterer US-Zölle angespannt.

Manche Unternehmen profitieren sogar

Gleichzeitig zeigt sich in Sachsen-Anhalt bislang ein differenziertes
Bild. «Bundesweit sind die Exporte in die USA 2025 drastisch
eingebrochen. In Sachsen-Anhalt gab es diese Entwicklung
glücklicherweise nicht», erklärte Stodtko.

Nicht alle Unternehmen leiden gleichermaßen unter den Zöllen. Nach
Angaben der IHK können einzelne Firmen ihre Geschäfte in den USA
trotz höherer Abgaben nicht nur stabil halten, sondern sogar
ausbauen. Der Süßwarenhersteller Halloren profitiere etwa davon, dass
Schweizer Konkurrenten teilweise noch höhere Zölle zahlen müssten.
Auch Merz Pharma in Dessau und Bayer in Bitterfeld werden von der
Kammer als Beispiele für stabile US-Geschäfte genannt.

Feste Lieferketten als Vorteil

Die DIHK sieht die Gründe für stabile Exporte vor allem in
langjährigen Geschäftsbeziehungen und festen Lieferketten. «Wer auf
spezialisierte Maschinen, Vorprodukte oder Hightech "Made in Germany"
angewiesen ist, kann nicht einfach umsteigen», erklärte
DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Besonders deutlich zeige sich das im Maschinenbau, bei
Automobilzulieferern sowie in der Chemie- und Pharmabranche. Viele
deutsche Anbieter seien fest in bestehende Lieferketten eingebunden.
Noch trügen diese Strukturen die Exporte.

Nach Angaben von IHK und DIHK geben viele Unternehmen die
zusätzlichen Kosten inzwischen weiter. «Knapp drei Viertel der
Unternehmen geben an, sie ganz oder teilweise an ihre US-Kunden
weiterzureichen», erklärte Treier. Damit trügen letztlich vor allem
amerikanische Importeure und Verbraucher die Kosten der Zollpolitik.

Wie es weitergeht

Gleichzeitig warnen die Wirtschaftsverbände vor den Folgen dauerhaft
hoher Zölle. «Die Hochzollpolitik der USA hat bereits großen
Flurschaden in der deutschen Außenwirtschaft angerichtet», erklärte
Treier. Dauerhaft hohe oder weiter steigende Zölle könnten die
Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte zunehmend schwächen.

Wie sich der Handelskonflikt weiter entwickelt, bleibt offen. Die
Einigung von EU-Parlament und Mitgliedstaaten zur Umsetzung des
Zolldeals muss noch vom Ministerrat und vom Plenum des
Europaparlaments bestätigt werden. Zudem behält sich die EU vor,
Zugeständnisse wieder auszusetzen, falls die USA weitere Zölle
verhängen oder Vereinbarungen nicht einhalten.