Bundesregierung und EU bestellen russische Vertreter ein

26.05.2026 21:43

Nach einem der bisher schwersten russischen Angriffe droht Moskau mit
einer neuen Attacke auf Kiew. Reaktionen folgen prompt - auch aus der
Ukraine.

Kiew/Moskau (dpa) - Nach Drohungen aus Moskau über einen massiven
Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew haben die Bundesregierung
und die EU russische Vertreter einbestellt. Eine Sprecherin der
EU-Außenbeauftragen Kaja Kallas schrieb auf der Plattform X, der
russische Aufruf an ausländische Staatsbürger und Diplomaten, Kiew zu
verlassen, stelle «eine inakzeptable Eskalation» dar. Ähnlich
reagierte das Auswärtige Amt. Derweil drohte der russische
Parlamentschef mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen die
Ukraine im Fall von Angriffen gegen die Zivilbevölkerung in
Russland. 

Nach dem schweren russischen Angriff auf Kiew am Wochenende unter
Einsatz der neuen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik droht Moskau
mit einer neuen Attacke. Das russische Außenministerium rief
ausländische Diplomaten dazu auf, Kiew schnellstmöglich zu verlassen.
Das russische Militär werde als Antwort auf den ukrainischen Beschuss
eines Wohnheims in der von Russland kontrollierten Stadt Starobilsk
nun systematisch Rüstungsobjekte und «Entscheidungszentren» in Kiew
angreifen, hieß es in der Mitteilung.

Russland greift seit dem Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren
systematisch das Hinterland der Ukraine an - und trifft dabei immer
wieder auch zivile Infrastrukturobjekte oder Wohnhäuser. Die
Verantwortung für die vielen zivilen Opfer in der Ukraine lehnt
Moskau dabei ab. Wegen des Angriffs auf Starobilsk, bei dem mehr als
20 Zivilisten getötet worden waren, forderte Kremlchef Wladimir Putin
Vergeltung. Kiew hatte erklärt, dass der Angriff einer militärischen
Einheit gegolten habe.

Brüssel und Berlin bestellen russische Vertreter ein

Das Auswärtige Amt kritisierte die jüngsten russischen Drohungen
gegen die Ukraine und ausländische Diplomaten scharf und bestellte
den russischen Botschafter ein, wie es auf der Plattform X hieß.
Russland setze auf Drohen, Terror und Eskalation. Aus dem Auswärtigen
Amt hieß es weiter, Putin versuche nicht nur, Angst und Terror zu
verbreiten, sondern auch, die Ukraine und ihre Unterstützer zu
spalten. Dies werde keinen Erfolg haben. «Wir lassen uns durch
Drohungen nicht einschüchtern.»

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragen Kaja Kallas sagte bei einer
Pressekonferenz, die EU halte ihre diplomatische Arbeit in Kiew
aufrecht. Die Aufforderung zum Verlassen von Kiew stelle «eine
inakzeptable Eskalation» dar, schrieb sie auf X. Die EU berief den
ranghöchsten Vertreter Russlands bei der EU ein.

Die Sprecherin des Auswärtigen Dienstes der EU sagte, das Vorgehen
zeige erneut, dass Russland absolut nicht an Frieden interessiert sei
und sämtliche Bemühungen um Friedensverhandlungen missachte. Die
Angriffe seien leider tägliche Realität für die Ukraine, für Kiew u
nd
seine Bürgerinnen und Bürger. Tatsächlich sei unter anderem auch die

EU-Vertretung vor Ort getroffen worden. Die Sprecherin betonte, dass
jegliche vorsätzlichen Angriffe auf Zivilisten und nichtmilitärische
Ziele Kriegsverbrechen darstellten.

UN-Generalsekretär António Guterres sagte nach Angaben eines
Sprechers, er sei zutiefst besorgt über die jüngste Drohung
Russlands. Es sei mehr denn je unerlässlich, eine Eskalation des
Konflikts zu vermeiden. Er berge die Gefahr, die Suche nach Frieden
noch weiter in die Ferne zu rücken und das Leiden der Menschen zu
verlängern. 

Kiew wirft Moskau Erpressung vor

Das ukrainische Außenministerium teilte auf X mit, die neuen
Drohungen Russlands seien nichts anderes als schamlose Erpressung.
Moskau gebe damit zu, dass sein Beschuss unter anderem darauf
abziele, ausländische Diplomaten einzuschüchtern. Die beste Antwort
auf Drohungen des Kremls sei, den Druck auf den Aggressor zu erhöhen.

Der Sprecher des Außenministeriums, Heorhij Tychyj, erstellte auf X
eine Abstimmung und fragte sarkastisch, was Moskaus Drohung von
Angriffen auf Kiew - nach mehr als vier Jahren russischer Angriffe
auf eben die Hauptstadt - bedeute. Er stellte vier
Antwortmöglichkeiten zur Wahl: Alkoholismus, Verzweiflung, Mangel an
Kreativität oder alles davon.

Medien: Umjerow in Berlin

Derweil kam der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats der Ukraine,
Rustem Umjerow, laut «Politico» zu Gesprächen in Berlin an. Ein
Regierungssprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Wie
«Politico» unter Berufung auf zwei Quellen schrieb, treffe Umjerow
die nationalen Sicherheitsberater von Deutschland, Frankreich und
Großbritannien.

Umjerows Sprecherin Diana Dawitjan sagte der ukrainischen
Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge, dieser habe sich mit dem
außenpolitischen Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz, Günter
Sautter, getroffen. Es sei um Sicherheitsfragen, den
Verhandlungsprozess und auch Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich
gegangen.

Neue Drohungen aus Moskau

Der Chef des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, verschärfte
den Ton weiter. Er drohte mit dem Einsatz von
Massenvernichtungswaffen gegen die Ukraine im Fall von Angriffen
gegen die Zivilbevölkerung in Russland. «Das alles kann dazu führen,

dass wir die Waffe einsetzen, die von niemandem mehr eine Spur übrig
lässt», sagte Wolodin einer Pressemitteilung des Parlaments zufolge.