Kreml droht Armenien mit Gas-Entzug wegen EU-Plänen
27.05.2026 14:19
Die Spannungen zwischen Russland und Armenien werden immer stärker.
Die EU-Annäherung des Kaukasusstaats missfällt Moskau stark. Nun
wurden neue Drohungen laut.
Moskau/Eriwan (dpa) - Kurz vor der Parlamentswahl in der
Südkaukasusrepublik Armenien erhöht Russland den politischen und
wirtschaftlichen Druck auf den langjährigen Partner, um dessen
Annäherung an die EU zu verhindern. Moskau drohe mit der Kündigung
eines günstigen Liefervertrags für Gas, Ölprodukte und unbearbeitete
Diamanten, berichtete die russische Tageszeitung «Kommersant».
«Die andauernden praktischen Schritte zur Vertiefung der
Zusammenarbeit Armeniens mit der Europäischen Union und das von der
armenischen Regierung deklarierte Streben nach einem EU-Beitritt
gefährden Russlands und Armeniens Kooperation bei Handel, Wirtschaft
und Investitionen», zitiert das Blatt einen Brief aus dem russischen
Energieministerium an das armenische Infrastrukturministerium.
Kreml: Rabatt für Armenien auf Kosten Russlands
Die EU-Beitrittsbemühungen Armeniens liefen dem partnerschaftlichen
Verhältnis mit Moskau zuwider. Die Folge könnte die Kündigung von
Verträgen sein, heißt es demnach in dem Brief. Während Eriwan den
Erhalt des Briefs zunächst dementierte, bestätigte Russlands
Außenamtssprecherin Maria Sacharowa ein entsprechendes Schreiben.
Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte auf Nachfrage, dass der Rabatt
für Armenien auf Kosten Russlands erfolge. Es sei unklar, ob die
EU-Mitgliedschaft den Armeniern solche Vorteile bieten könne wie die
Partnerschaft mit Russland.
Ein 2013 geschlossener Liefervertrag sieht den zollfreien Verkauf
wichtiger Rohstoffe an Armenien vor. Gerade beim Gas ist das Land
stark von Russland abhängig. Sollte Russland keine Vergünstigungen
mehr geben, drohen dem finanziell angeschlagenen Kaukasusstaat
schwere Zeiten. Zwar erklärte Regierungschef Nikol Paschinjan,
Armenien werde dann die Gaslieferungen aus dem Iran erhöhen, doch die
Kapazität der Pipeline ist begrenzt. Zuletzt hatte Russland bereits
die Einfuhr einer Reihe von armenischen Lebensmitteln ins Land
gestoppt - angeblich wegen Qualitätsmängeln.
Regierungschef Paschinjan wegen Niederlage im Krieg angeschlagen
In Armenien steht am 7. Juni eine wichtige Parlamentswahl bevor.
Regierungschef Paschinjan hofft auf eine Fortsetzung seiner Amtszeit,
steht allerdings nach der Niederlage im Krieg gegen den Nachbarn
Aserbaidschan um die Konfliktregion Bergkarabach innenpolitisch unter
Druck.
Armenien strebt seit einiger Zeit in Richtung EU. Nach einem
Gipfeltreffen in der Hauptstadt Eriwan hieß es, dass Armenien und die
EU künftig enger zusammenarbeiten wollen vor allem bei den Themen
Sicherheit und Verteidigung sowie Projekten in den Bereichen Energie,
Verkehr und Digitales.
Ein Treffen zwischen Paschinjan und Russlands Präsident Wladimir
Putin war jüngst in eine Debatte über politische Freiheiten gemündet.
Als der Kremlchef Paschinjan vorwarf, die prorussische Opposition zu
unterdrücken, schoss dieser scharf zurück: In Armenien werde niemand
wegen seiner politischen Haltung eingesperrt oder das Internet
blockiert, sagte Paschinjan - ein klarer Verweis auf entsprechende
Zustände in Russland.
Von Moskauer Propagandisten kamen in dem Zusammenhang mehrfach
Drohungen, dass Armenien den Weg der Ukraine nehme. Gegen die Ukraine
führt Russland seit mehr als vier Jahren Krieg.
