EU-Kommission will ausländische Satelliten-Dienste begrenzen

27.05.2026 14:40

Fitness-Tracker, Notrufe, Militär: Die Europäische Kommmission will
US-Giganten wie Starlink und Amazon mit Satelliten-Internet made in
Europe ausbremsen.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will künftig ausländische Anbieter

von Satellitenmobilfunkdiensten von Teilen des
2-Gigahertz-Frequenzbands ausschließen. Das Band wird unter anderem
für die kritische Kommunikation genutzt. Zwei Drittel der Lizenzen
für diese Satellitendienste sollen einem Vorschlag der Brüsseler
Behörde zufolge Anbietern aus der Europäischen Union vorbehalten
werden, um die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu senken -
unter anderem aus den USA. 

Bislang haben die US-Unternehmen Viasat und Echostar EU-weite
Lizenzen. Die künftigen Anbieter sollen 2027 erneut zentral für die
ganze Europäische Union ausgewählt werden, aber nach neuen Regeln.

Das will die Behörde 

Die EU-Kommission schlägt vor, künftig ein Drittel der Bandbreite für

die staatliche Nutzung zu reservieren, zum Beispiel für kritische
Kommunikation, Sicherheit und Militär. Dieser Bereich muss dem
Vorschlag zufolge von einem EU-Betreiber bereitgestellt werden. 

Zwei Drittel des 2-Gigahertz-Bands sollen für die kommerzielle
Nutzung zur Verfügung stehen, etwa für Fitness-Tracker oder die
Notfallkommunikation durch die direkte Verbindung von Smartphones und
Satelliten (Direct-to-Device/D2D). Die Hälfte dieses Bereichs soll
neuen EU-Anbietern vorbehalten sein; Lizenzen für die andere Hälfte
könnten an EU-Betreiber und Betreiber außerhalb der EU vergeben
werden. 

Ziel auch: Netz in Krisen

EU-Kommissarin Hadja Lahbib sprach in Brüssel von einer «sehr
wichtigen strategischen Entscheidung, die unsere Abhängigkeit von
US-Diensten verringert und die Konnektivität in Krisensituationen
sowie dort sicherstellt, wo keine terrestrischen Netze verfügbar
sind». 2 Gigahertz kann weiter senden als hohe Frequenzen, die dafür
mehr Daten transportieren können. 

Weltweit ist mittlerweile der Satelliten-Internetdienst Starlink, der
von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX betrieben wird, Marktführer für
Satellitenmobilfunkdienste. US-Konzern Amazon baut mit Amazon Leo ein
eigenes Netzwerk auf. 

Austausch mit USA?

Gefragt, ob die EU-Kommission sich vorab mit den USA ausgetauscht
habe, sprach die zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, Henna
Virkkunen, von einer engen globalen Zusammenarbeit zur
Frequenzpolitik. Sie verwies zudem darauf, dass die USA vor kurzem
eine Lizenz für Satellitenmobilfunkdienste an einen US-Anbieter
vergeben habe, trotz Interesse eines europäischen Anbieters. 

Die US-Regierung wirft der EU immer wieder vor, ihren Binnenmarkt zu
stark zu schützen und gezielt gegen US-amerikanische Digital-Firmen
vorzugehen. Die Europäische Union wies dies stets zurück. 

Der Vorschlag wird nur umgesetzt, wenn auch das Europäische Parlament
und die Mitgliedstaaten zustimmen.