EU-Kommission prüft Übernahme von MediaMarktSaturn genauer
28.05.2026 12:20
Europas größter Elektronik-Fachhändler soll den Eigentümer wechseln
.
Der chinesische Handelskonzern JD.com will sich MediaMarktSaturn
sichern. Mehrere Behörden prüfen - auch wegen Staatsgeldern.
Brüssel (dpa) - Die geplante Übernahme von Europas größtem
Elektronikfachhändler MediaMarktSaturn durch den chinesischen
E-Commerce-Riesen JD.com beschäftigt gleich mehrere Behörden. Die
Europäische Kommission hat nach einer ersten Untersuchung «vorläufige
Bedenken» und prüft den Fall nun genauer. Ihre Zustimmung ist eine
der Voraussetzungen für einen Eigentümerwechsel.
«Die vorläufige Untersuchung deutet darauf hin, dass JD.com
möglicherweise ausländische Subventionen erhalten hat, die den
EU-Binnenmarkt verzerren», teilte die Brüsseler Behörde mit.
Chinesische Subventionen könnten es JD.com ermöglicht haben, ein
höheres Übernahmeangebot für Ceconomy, die MediaMarkt- und
Saturn-Mutter, abzugeben. Dies könnte den Prozess verzerrt haben.
Dabei gehe es um Vorzugsfinanzierungen, steuerliche Anreize und
Zuschüsse.
Die EU-Kommission will außerdem prüfen, ob die Übernahme den
Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerren würde. Nach EU-Recht
hat sie bis zum 2. Oktober Zeit für eine endgültige Entscheidung. Sie
betonte, dass deren Ergebnis offen sei. JD.com könnte sich im Laufe
der Untersuchung auch zu bestimmten Zusagen verpflichten, um
Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern.
Behörden prüfen nach Kartellrecht und Sicherheit
JD.com hatte im vergangenen Sommer ein Übernahmeangebot abgegeben und
sich wenige Monate später die Mehrheit der Ceconomy-Aktien gesichert.
Behörden in mehreren Ländern prüfen die Übernahme. Je nach national
en
Anforderungen wird die Transaktion kartellrechtlich geprüft. In
anderen Ländern wird untersucht, ob der Einstieg eines ausländischen
Investors sicherheits- oder ordnungspolitisch unbedenklich ist.
Frankreich und Italien haben laut Ceconomy grünes Licht für die
Übernahme gegeben. Die Entscheidungen aus Deutschland, Spanien und
Österreich stehen noch aus. Aus Unternehmenskreisen hieß es, man
rechne mit einer Gesamt-Freigabe in der zweiten Jahreshälfte.
Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb bereits im September
freigegeben. Es gebe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken, da JD.com
bislang nur in sehr geringem Umfang in Deutschland aktiv sei. Das
Bundeswirtschaftsministerium hat aber noch nicht zugestimmt. Es prüft
unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten.
Einer der größten Handelskonzerne weltweit
MediaMarktSaturn ist Europas größter Elektronik-Fachhändler und nach
Amazon, Otto und Zalando viertgrößter Onlineshop in Deutschland. Das
Handelsunternehmen Ceconomy, zu dem die MediaMarktSaturn Retail Group
heute zählt, entstand 2017 als Abspaltung von Metro.
JD.com ist mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar
(2024) laut dem Forschungsinstitut EHI größter chinesischer
Handelskonzern und zählt auch weltweit zu den zehn größten. Die
Gruppe, die etwa 570.000 Beschäftigte hat, ist unter anderem auch in
den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit tätig. In
Deutschland ist das Engagement bislang überschaubar. Im März dieses
Jahres startete JD.com den Onlineshop Joybuy.
Ceconomy ist laut Geschäftsbericht mit mehr als 1.000 Märkten in elf
europäischen Ländern aktiv, rund 400 davon hierzulande. Filialen der
Kette Saturn gibt es nur noch in Deutschland. Im Ende September
abgelaufenen Geschäftsjahr machte das Unternehmen einen Umsatz von
23,1 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigte der Konzern im Jahr 2024
rund 50.000 Menschen, davon knapp 20.000 in Deutschland.
Die erste Saturn-Filiale wurde 1961 in Köln eröffnet, der erste
MediaMarkt 1979 in München. Die Einzelhandelskette übernahm den
Wettbewerber Saturn 1990. Einige Jahre später besaß die Metro AG die
Mehrheit an beiden Marken.
