Klingbeil beklagt «Schneckentempo» in EU und will schnell Fortschritte
28.05.2026 16:02
Idyllisch am Wannsee in Berlin berät Finanzminister Klingbeil mit
Amtskollegen aus anderen EU-Ländern. Es geht um dicke Brocken.
Berlin (dpa) - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil strebt zu
zentralen Fragen in Europa schnelle Fortschritte an, um die
Europäische Union zu stärken. Der SPD-Chef sagte in Berlin: «Es ist
manchmal zu sehr ein Schneckentempo, mit dem wir in Europa
vorankommen.» Die Welt warte nicht auf Europa, sagte Klingbeil mit
Blick auf China und die USA.
Der Finanzminister traf sich mit seinen Amtskollegen aus den anderen
großen EU-Volkswirtschaften - Frankreich, Italien, den Niederlanden,
Polen und Spanien. Klingbeil sagte, diese sollten Impulsgeber für die
EU sein. «Wir wollen Impulse setzen, dass wir in Europa in
maßgeblichen politischen Feldern vorankommen», sagte Klingbeil. «Wir
wollen Knoten durchschlagen, beispielsweise beim europäischen
Kapitalmarkt.»
An der sogenannten Kapitalmarktunion wird seit Jahren gearbeitet,
bislang jedoch ohne größeren Erfolg. Dabei geht es zur Vertiefung des
Binnenmarkts darum, das Zusammenwachsen der noch zersplitterten
europäischen Kapitalmärkte stärker zu forcieren - um mehr private
Investitionen zu mobilisieren. In Europa müsse mehr investiert
werden, damit Unternehmen wachsen könnten und nicht abwanderten,
sagte Klingbeil.
Klingbeil signalisiert Kompromissbereitschaft
«Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Kompromisse brauchen», sagte
Klingbeil. Deutschland sei bereit, sich zu bewegen. Bei der
Kapitalmarktunion ist zum Beispiel umstritten, wie stark
zentralisiert eine geplante Marktaufsicht ist. Der Minister sprach
von dicken Brettern. Jedes Land müsse über seinen nationalen
Tellerrand hinausschauen. Ein Paket solle noch in diesem Jahr
verabschiedet werden, so Klingbeil. «Das wäre ein wirklicher
Fortschritt für die Kapitalmärkte.»
Das Ziel müsse sein, dass die EU der attraktivste Wirtschaftsraum der
Welt sei, sagte der Minister. «Wir haben das Potenzial dazu. Nur wir
müssen hieran arbeiten.» Die Kapitalmarktunion sei ein zentrales
Element.
