Wohlfahrtsverbände warnen vor Kürzungen beim EU-Sozialfonds

28.05.2026 18:15

Kürzungen beim EU-Sozialfonds bedrohen laut der Wohlfahrtsverbände
Projekte für Jobsuchende, Integration und Wohnungslose im Norden. Die
Verbände fordern hingegen eine Stärkung der Finanzen.

Kiel (dpa/lno) - Schleswig-Holsteins Wohlfahrtsverbände fürchtet
Kürzungen beim Europäischen Sozialfonds. Europa und auch das
nördlichste Bundesland ließen sich nur dann zukunftssicher gestalten,
wenn Soziale Arbeit verbindlich abgesichert ist, sagte der
Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der freien
Wohlfahrtsverbände (LAG), Heiko Naß, beim Parlamentarischen Abend in
Kiel. Hintergrund seien die laufenden Verhandlungen über den nächsten
mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union.

«In den politischen Debatten auch auf europäischer Ebene erleben wir,
dass in den Haushalten die Prioritäten massiv verschoben werden
sollen», erklärte Naß. Ziel sei, die Wettbewerbsfähigkeit auf Koste
n
des Sozialen zu stärken. Eine Kürzung des Sozialfonds hätte
Konsequenzen für zahlreichen soziale Projekte im Land, die etwa
Menschen auf dem Arbeitsmarkt vermittelten, die Integration stärkten
oder Obdachlose bei der Suche nach einer Wohnung unterstützten. 

«Wenn hier gespart wird, betrifft das zuallererst die betroffenen
Menschen, letztlich aber auch den Zusammenhalt und unsere
Demokratie», betonte der LAG-Vorsitzende. Daher forderten die
Wohlfahrtsverbände die schleswig-holsteinischen Abgeordneten im
Europaparlament auf, sich für eine Stärkung des Europäischen
Sozialfonds einzusetzen.

Großer Teil der Mittel von sozialen Projekten kommt aus Fonds

Unter dem Dach der Wohlfahrtsverbände arbeiten in Schleswig-Holstein
elf Projekte, die dieser Sozialfonds fördert. Nach Angaben der LAG
haben sie ein Finanzvolumen von insgesamt gut 10 Millionen Euro. Ein
großer Teil der Mittel stammt aus dem Fonds.

Um den Bestand zu sichern, sei eine Finanzierung der Projekte durch
den Fonds in Höhe von 90 Prozent nötig, hieß es. Sonst sei die Arbeit

für besonders vulnerable Gruppen gefährdet.

«Gerade in Zeiten multipler Krisen darf sich die EU nicht aus ihrer
Verantwortung zurückziehen, sondern muss den sozialen und
territorialen Zusammenhalt stärken», sagte die Vizepräsidentin des
schleswig-holsteinischen Landtages Eka von Kalben (Grüne). Dabei
bräuchten die Regionen eine starke Mitsprache bei der Verteilung der
Mittel.