Putin warnt Armenien vor negativen Folgen bei EU-Annäherung

29.05.2026 20:58

Die Beziehungen von Moskau und Eriwan sind gespannt. Kurz vor einer
Wahl in Armenien spricht Putin über wirtschaftliche Folgen bei
weiterer EU-Annäherung. Und zieht einen Vergleich zur Ukraine.

Astana (dpa) - Kurz vor einer Parlamentswahl in Armenien hat
Kremlchef Wladimir Putin die Südkaukasusrepublik vor schweren
wirtschaftlichen Folgen im Falle einer EU-Annäherung gewarnt. Das
Land werde mindestens 14 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts
verlieren, wenn die Gaspreise nach einem Austritt des Landes aus der
Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) angehoben würden, sagte er am
Rande eines EAWU-Gipfels in Kasachstan. «Solche Vergünstigungen wie
heute wird es natürlich nicht mehr geben.» Armenien ist bei
Gaslieferungen stark von Russland abhängig.

In Armenien ist am 7. Juni eine Parlamentswahl angesetzt.
Regierungschef Nikol Paschinjan hofft auf eine Fortsetzung seiner
Amtszeit, steht allerdings nach der Niederlage im Krieg gegen den
Nachbarn Aserbaidschan um die Konfliktregion Bergkarabach
innenpolitisch unter Druck. Armenien strebt in die EU. Die
Beziehungen zu Moskau sind gespannt. 

Putin rief außerdem zu einem baldigen Referendum über die Frage auf,
ob die Armenier in der EAWU bleiben oder der EU beitreten wollten.
Mit seiner Forderung erhöht Putin den Druck auf die armenische
Führung weiter. Schon vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass
Moskau Eriwan mit der Kündigung eines günstigen Liefervertrags für
Gas, Ölprodukte und unbearbeiteten Diamanten drohte. Wegen
angeblicher Qualitätsmängel stoppte Russland auch schon den Import
von Blumen und Lebensmitteln.

Putin zieht Vergleich zu Ukraine

Nun betonte der Kremlchef, dass das Land als Mitglied der EAWU Zugang
zu einem großen Markt habe. Man werde gezwungen sein, die Arbeit mit
Armenien im wirtschaftlichen Bereich einzustellen, sollte das Land
auf EU-Standards umstellen. Das werde viele Bereiche betreffen, nicht
nur Energie und Agrarprodukte. Putin zog auch einen Vergleich zur
Ukraine: Die Krise dort habe mit Kiews Schritten zu einem EU-Beitritt
begonnen, sagte er. Russland führt seit mehr als vier Jahren einen
Angriffskrieg gegen die Ukraine.