Trotz Streits: Putin sendet Armeniens Premier Geburtstagsgruß

01.06.2026 09:24

Die Beziehungen zwischen Russlands Präsident Putin und Armeniens
Regierungschef Paschinjan gelten als belastet. Nun hat der Kremlchef
ein Glückwunschtelegramm geschickt - mit einer Richtungsansage.

Moskau (dpa) - Inmitten zunehmender Spannungen zwischen Moskau und
Eriwan über die Annäherung Armeniens an die EU hat der Kremlchef dem
armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan zum Geburtstag
gratuliert. Die Beziehungen beider Länder seien traditionell
freundschaftlich geprägt, schrieb Wladimir Putin in dem auf der
Kreml-Internetseite veröffentlichten Telegram. «Und wir sind an ihrer
weiteren nachhaltigen Entwicklung interessiert», betonte er.
Paschinjan wünschte er Gesundheit, Wohlergehen und Erfolg. 

Die Glückwünsche sind bemerkenswert, weil Russland zuletzt viel dafür

getan hat, den Erfolg Paschinjans bei den anstehenden
Parlamentswahlen am 7. Juni zu sabotieren. So haben russische
Behörden die Einfuhr von Blumen und einer Reihe von Lebensmitteln
untersagt. 

Das russische Energieministerium hat Armenien offen mit der Kündigung
eines günstigen Gasliefervertrags gedroht und zuletzt berief der
Kreml sogar seinen Botschafter in Eriwan «zu Konsultationen» ein.

Armeniens EU-Annäherung ist für Moskau ein Ärgernis

Hintergrund ist die Annäherung Armeniens an die EU mit dem
langfristigen Ziel eines Beitritts. Das hat in den Moskauer
Führungsetagen, wo Armenien als Teil des eigenen Wirtschafts- und
Militärblocks (Eurasische Wirtschaftsunion und Organisation des Rats
für kollektive Sicherheit) betrachtet wird, massiven Ärger erzeugt. 


Putin selbst warnte zuletzt, dass Paschinjan nicht auf zwei Stühlen
gleichzeitig sitzen könne und er sich zwischen Ost und West
entscheiden müsse. 

Mehr noch: Armenien gehe den Weg der Ukraine, drohte er
unmissverständlich bei einem Gipfel in Astana in der vergangenen
Woche. Gegen die benachbarte Ukraine führt Russland seit mehr als
vier Jahren Krieg - auch der Konflikt wurde damals unter anderem
dadurch ausgelöst, dass die Ukraine eine Annäherung an die EU
anstrebte.