EZB-Umfrage: Verbraucher erwarten wegen Krieg hohe Inflation

01.06.2026 11:26

Der Iran-Krieg hat Energie verteuert und die Inflation im Euroraum
nach oben getrieben. Die Menschen rechnen mit steigenden
Lebenshaltungskosten - auch über einen längeren Zeitraum.

Frankfurt/Main (dpa) - Verbraucher erwarten wegen des Ölpreisschocks
infolge des Iran-Kriegs eine anhaltend hohe Inflation im Euroraum. Im
Schnitt rechneten die Menschen im April für die kommenden zwölf
Monate mit einer Inflationsrate von weiter 4,0 Prozent, wie die
Europäische Zentralbank anlässlich einer von ihr in Auftrag gegebenen
Umfrage mitteilte. Mit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar sind die
Energiepreise rasant gestiegen, Verbraucher spüren das besonders in
Form höherer Spritpreise an den Tankstellen. «Die Unsicherheit
hinsichtlich der Inflationserwartungen für die nächsten 12 Monate
blieb unverändert auf einem hohen Niveau», schrieb die EZB. 

Die Verbraucher rechnen auch mittelfristig mit einer erhöhten
Inflation, wie die Umfrage weiter zeigt. In den kommenden drei Jahren
erwarten sie eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,9 Prozent. Im
März waren es allerdings noch 3,0 Prozent. Die EZB strebt
mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent im Euroraum an.
Hier sieht die Notenbank ihr oberstes Ziel erreicht, für einen
stabilen Euro zu sorgen. Der Iran-Krieg hat die Inflation im Euroraum
auf 3,0 Prozent im April getrieben und damit deutlich über die
Zielmarke der EZB.

Die Notenbank steht daher unter Druck zu reagieren. An den
Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die EZB bei ihrem Entscheid
am 11. Juni die Leitzinsen erstmals in diesem Jahr erhöht. Höhere
Zinsen würden Kredite für Verbraucher und Unternehmen verteuern, was
die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen kann. Jedoch sind
höhere Zinsen eine Bürde für die ohnehin schwache Wirtschaft im
Euroraum, die unter den Folgen des Iran-Kriegs leidet.

Die Verbraucherumfrage der EZB («Consumer Expectations Survey») ist
eine monatliche Online-Erhebung unter rund 19.000 Verbrauchern aus 11
Euroländern, darunter Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien.
Die letzte Umfrage fand zwischen 2. April und 4. Mai statt. Die EZB
nutzt die Ergebnisse für ihre geldpolitischen Analysen als Ergänzung
für andere Datenquellen.