Vor Wahl: Putin spricht mit Armeniens Regierungschef

01.06.2026 14:44

Die Beziehungen zwischen Russlands Präsident Putin und Armeniens
Regierungschef Paschinjan gelten als belastet. Nun haben beide
miteinander telefoniert - und ein Treffen vereinbart.

Moskau (dpa) - Inmitten zunehmender Spannungen zwischen Moskau und
Eriwan und kurz vor der Parlamentswahl in Armenien haben der
Kremlchef und der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan
miteinander telefoniert. Bei dem Gespräch hätten beide Seiten ein
Treffen in Kürze vereinbart, teilte der Kreml mit. Dabei sollen dann
bestehende Differenzen ausgeräumt werden. Diese gibt es trotz eines
Glückwunsches von Putin an Paschinjan zu dessen Geburtstag vor allem
wegen des armenischen Strebens in die EU. 

Paschinjan lehnt ein von Moskau gefordertes Referendum, in dem die
Armenier zwischen EU und Eurasischer Wirtschaftsunion wählen müssen,
zum derzeitigen Zeitpunkt ab. Ein EU-Beitritt sei noch rein
theoretischer Natur, Armenien werde daher vorläufig in der
Eurasischen Wirtschaftsunion verbleiben, schrieb er in sozialen
Netzwerken.

Putin hatte zuletzt gewarnt, dass Paschinjan nicht auf zwei Stühlen
gleichzeitig sitzen könne und sich zwischen Ost und West entscheiden
müsse.

Armeniens EU-Annäherung ist für Moskau ein Ärgernis

Hintergrund ist die Annäherung Armeniens an die EU mit dem
langfristigen Ziel eines Beitritts. Das hat in den Moskauer
Führungsetagen, wo Armenien als Teil des eigenen Wirtschafts- und
Militärblocks (Eurasische Wirtschaftsunion und Organisation des Rats
für kollektive Sicherheit) betrachtet wird, massiven Ärger erzeugt.

Zwar betonte Putin in seinem Glückwunschtelegramm an Paschinjan die
traditionell freundschaftlichen Beziehungen beider Länder und das
Interesse Moskaus an deren Weiterentwicklung. Zugleich aber hat der
Kreml zuletzt mit Sanktionen und Drohungen den Druck auf die
armenische Führung vor der anstehenden Parlamentswahl am 7. Juni
massiv erhöht.

So haben russische Behörden die Einfuhr von Blumen und einer Reihe
von Lebensmitteln untersagt. Quasi als «Geburtstagsgeschenk» hat die
Landwirtschaftsaufsichtsbehörde nun auch den Import armenischen
Fischs verboten.

Das russische Energieministerium hat derweil Armenien offen mit der
Kündigung eines günstigen Gasliefervertrags gedroht. Zuletzt zog der
Kreml sogar seinen Botschafter in Eriwan vorübergehend ab - «zu
Konsultationen» in Moskau.

Die Drohungen aus Moskau gehen sogar noch weiter: Armenien gehe den
Weg der Ukraine, warnte Putin unmissverständlich bei einem Gipfel in
Astana in der vergangenen Woche. Gegen die benachbarte Ukraine führt
Russland seit mehr als vier Jahren Krieg - auch der Konflikt wurde
damals unter anderem dadurch ausgelöst, dass die Ukraine eine
Annäherung an die EU anstrebte.