Krieg treibt Inflation im Euroraum auf 3,2 Prozent
02.06.2026 11:40
Der Ölpreisschock mit dem Iran-Krieg treibt die Verbraucherpreise im
Währungsraum nach oben. Damit wächst der Druck auf die EZB, bei ihrem
Entscheid nächste Woche zu reagieren.
Luxemburg (dpa) - Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges hat die
Inflation in der Eurozone auch im Mai angefeuert. Im Jahresvergleich
stiegen die Verbraucherpreise um 3,2 Prozent, wie das Statistikamt
Eurostat in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im April
hatte die Inflationsrate noch bei 3,0 Prozent gelegen. Damit liegt
die Teuerungsrate über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB),
die mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent im Euroraum
anstrebt.
Die Notenbank steht daher unter Druck zu reagieren. An den
Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die EZB bei ihrem Entscheid
am 11. Juni die Leitzinsen erstmals in diesem Jahr erhöht. Aktuell
liegt der für Sparer und Banken wichtige Einlagenzins bei 2,0
Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zuletzt betont, die
Notenbank sei bereit zu handeln, falls nötig.
«Die Inflation dürfte noch viele Monate über 3 Prozent liegen, sofern
die Straße von Hormus wider Erwarten nicht schnell geöffnet wird»,
meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Für eine anhaltend hohe
Inflation spreche auch, dass Umfragen zufolge immer mehr Unternehmen
die gestiegenen Energiekosten an ihre Kunden weitergeben. «Der EZB
bleibt nichts anderes übrig, als ihre Leitzinsen auf der Sitzung
nächste Woche anzuheben. Vermutlich dürfte sie sie nach der
Sommerpause erneut erhöhen.»
Höhere Leitzinsen der EZB würden Kredite für Verbraucher und
Unternehmen verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Inflation
dämpfen kann. Jedoch sind höhere Zinsen eine Bürde für die ohnehin
schwache Wirtschaft im Euroraum, die unter den Folgen des
Iran-Krieges leidet.
