Bundesregierung sieht «Fenster für Gespräche» mit Russland
03.06.2026 13:28
Die Bemühungen der USA um ein Ende des Ukraine-Krieges sind ins
Stocken geraten. Nun versuchen die Europäer ins Spiel zu kommen -
aber in einer anderen Rolle als die USA.
Berlin (dpa) - Trotz zunehmender Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg
geht man in der Bundesregierung davon aus, dass es in den nächsten
Monaten zu Gesprächen mit Russland über ein Ende des Krieges kommen
kann. «Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäis
chen
Seite mit Russland», heißt es aus Regierungskreisen. «Die harten
Kämpfe der letzten Tage zeigen aber, es dürfte nicht Wochen, sondern
Monate dauern.»
Wer die Gespräche für die Europäer führen könne, werde derzeit au
f
europäischer Seite diskutiert. Es müsse sich um ein möglichst
handlungsfähiges Format handeln, das von den Europäern als möglichst
legitim angesehen werde. «Es spricht einiges dafür, dass die E3 dabei
weiter eine wichtige Rolle spielen werden.»
Europäer zuletzt nur noch an der Seitenlinie
Als E3 werden Deutschland, Großbritannien und Frankreich bezeichnet.
Diese Gruppe war bereits im vergangenen Jahr über Gespräche mit den
USA und der Ukraine an den Bemühungen um ein Ende des Krieges
beteiligt. Die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine wurden
aber von den USA ohne die Europäer moderiert.
Inzwischen sind die Bemühungen der Amerikaner aber ins Stocken
geraten. US-Außenminister Marco Rubio hatte kürzlich gesagt, aus
US-Sicht könnten gerne auch andere versuchen, den Krieg in der
Ukraine zu beenden. Vor diesem Hintergrund bemühen sich nun die
Europäer nun wieder stärker, ins Spiel zu kommen. Während die USA
sich als Vermittler in dem Konflikt verstehen, stehen die Europäer
aber klar an der Seite der Ukraine, sind also Partei.
Externer Unterhändler unwahrscheinlich
Dass die 27 Mitgliedstaaten der EU einen Unterhändler benennen, der
nicht zu einer Regierung gehört, gilt inzwischen als sehr
unwahrscheinlich. Das wurde bereits vergangene Woche bei einem
informellen EU-Außenministertreffen auf Zypern deutlich. Dort warnte
die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor weiteren Diskussionen
darüber: «Es ist eine Falle, in die Russland uns locken will.»
Zuvor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den 82-jährigen
Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) ins Gespräch gebracht, der mit
Putin befreundet ist und nach seiner Regierungszeit als Lobbyist für
russische Energieunternehmen tätig war. Außerdem waren von anderer
Seite die frühere Kanzlerin Angela Merkel, der finnische Präsident
Alexander Stubb sowie Ex-EZB-Chef Mario Draghi genannt worden.
Bundesregierung setzt auf «klaren politischen Kompass»
Aus deutscher Sicht braucht es für den weiteren Prozess einen «klaren
politischen Kompass» und mit ein «klares Zielbild». Man wolle im
Einvernehmen mit der Ukraine und in größtmöglicher Abstimmung unter
den Europäern und «möglichst koordiniert» mit den USA vorgehen.
Im Juni und Juli stehen mehrere Gipfeltreffen an, bei denen das Thema
eine Rolle spielen könnte. Übernächste Woche kommt zunächst die G7
der wirtschaftsstarken westlichen Demokratien und dann die EU auf
Spitzenebene zusammen. Anfang Juli folgt der Nato-Gipfel in der
Türkei.
