Keine Ausreden mehr: Merz sieht Westbalkan-Plan auf dem Weg

05.06.2026 17:54

Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Macron hat Kanzler Merz einen
Vorstoß für die schnelle EU-Integration der Westbalkanländer
unternommen. Bei einem Gipfel in Montenegro gab es nun Feedback.

Tivat (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist optimistisch,
dass die deutsch-französische Initiative für eine schrittweise
Heranführung der Westbalkanstaaten an die EU umgesetzt werden kann.
Es gebe eine große Zustimmung der anderen Mitgliedstaaten und der
Westbalkanländer, dem Vorschlag von ihm und Frankreichs Präsident
Emmanuel Macron zu folgen, sagte Merz nach dem EU-Westbalkan-Gipfel
in Montenegro. Es werde dazu auch Beschlüsse geben müssen, aber die
informellen Gespräche in Tivat ließen ihn hoffen, dass man sehr bald
zu einer wirklich guten Lösung kommen könne.

An die Menschen in den Westbalkanstaaten solle es die klare Botschaft
geben, dass sie in der EU erwünscht seien. Um dies zu zeigen, könnten
die Länder zum Beispiel bereits vorab in den Euro-Zahlungsraum oder
das Mobilfunk-Roaming zu Inlandspreisen integriert werden, erklärte
Merz.

Der Kanzler und Macron hatten den deutsch-französischen Vorschlag zum
EU-Erweiterungsprozess kurz vor dem Gipfel vorgelegt. Er sieht nach
Angaben von Merz vor allem vor, dass die EU-Kandidatenstaaten als
Beobachter an den Sitzungen von EU-Gremien zugelassen werden können.
Zudem sollen sie nach Zustimmung des Europäischen Parlaments auch an
Sitzungen dort teilnehmen können. «Wir werden jetzt einen
schrittweisen Prozess einleiten», sagte Merz. Es gehe um ein klares
politisches Signal, dass die Prozesse beschleunigt werden. Es werde
da jetzt «keine Ausreden mehr geben».

Zu den EU-Kandidatenländern aus dem Westbalkan zählen Montenegro,
Albanien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien. Das Kosovo
ist potenzieller Beitrittskandidat.