Neuer KI-Berater der EU: Kritik an Siemens-Verbindungen
06.06.2026 04:40
Von der Leyens neuer KI-Sonderbeauftragter ist gleichzeitig
Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens - und soll das auch bleiben.
Europaabgeordnete und Aktivisten sehen darin einen
Interessenkonflikt.
Brüssel (dpa) - Die Ernennung des Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden
Jim Hagemann Snabe zum KI-Berater von EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen stößt auf Kritik. «Es ist problematisch, dass es
der Aufsichtsratsvorsitzende eines deutschen Unternehmens ist, das
eigene, sehr ausgeprägte Interessen beim Thema KI hat», sagte die
Grünen-Europaabgeordnete Alexandra Geese der Deutschen
Presse-Agentur.
Siemens habe beim europäischen KI-Gesetz sehr stark dafür lobbyiert,
die Industrie bei den strengeren Regeln rauszunehmen. «Was ich aber
noch beunruhigender finde ist, dass die Zahlen von Siemens im Moment
ganz stark von dem starken Ausbau von Rechenzentren abhängen», sagte
die deutsche Politikerin.
Deutscher Technologiekonzern profitiert von KI-Boom
Der Technologiekonzern Siemens hatte zuletzt von einer hohen
Nachfrage im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren insbesondere in den
USA profitiert. Konzernchef Roland Busch sprach von einem
beispiellosen Auftragswachstum.
Geese sagte, ein massiver Ausbau von Rechenzentren im Wettbewerb mit
den USA sei - auch wegen der hohen Energiepreise in der EU -nicht zu
gewinnen. Stattdessen brauche es kleinere KI-Modelle, die weniger
Strom und Ressourcen verbrauchten und dafür etwa auf die
Medizinforschung spezialisiert seien, um konkurrenzfähig zu bleiben.
EU-Kommission verteidigt Ernennung
Die Europäische Kommission hatte den dänischen Manager Hagemann Snabe
vor wenigen Tagen zum ersten Sonderbeauftragten für künstliche
Intelligenz ernannt. Er werde EU-Kommissionspräsidentin Ursula von
der Leyen sowie Vizepräsidentin Henna Virkkunen bis Ende März
nächsten Jahres in dieser Position beraten, teilte die Brüsseler
Behörde mit.
Ein Sprecher sagte zudem am Freitag auf Nachfrage, es würden
spezifische Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um sicherzustellen,
dass es durch die Ernennung zu keinem Interessenkonflikt komme. Aus
Datenschutzgründen sei er nicht in der Lage, diese Maßnahmen
detaillierter zu erklären.
Kritik auch von Linken und NGOs
Der Co-Vorsitzende der Linksfraktion im EU-Parlament, Martin
Schirdewan, kritisierte: «Gerade, weil es um milliardenschwere
Investitionen in KI-Infrastruktur geht, muss die Kommission
transparent machen, wie Interessenkonflikte ausgeschlossen werden.»
Auch die gemeinnützige Organisation Corporate Europe Observatory, die
sich für mehr Transparenz in der Politik einsetzt, kritisierte die
Entscheidung der EU-Kommission. «Ein offensichtlicherer
Interessenkonflikt ist kaum vorstellbar», sagte der Aktivist Bram
Vranken dem Portal «Euractiv».
