EU-Staaten billigen härtere Zollregeln für Stahlimporte

08.06.2026 14:02

Günstiger Stahl aus Asien macht der europäischen Stahlindustrie zu
schaffen. Die EU deckelt ab 1. Juli Importe strenger - und erhöht den
Strafzoll.

Luxemburg (dpa) - Die EU-Staaten haben schärfere Regeln für
Stahlimporte beschlossen. Damit will die Europäische Union den
europäischen Markt vor globaler Überproduktion und billiger
Konkurrenz insbesondere aus China, Indien und der Türkei schützen. 

«Stahl ist für die industrielle Basis Europas, seinen ökologischen
Wandel und seine Sicherheit unverzichtbar», teilte Zyperns
Industrieminister Michael Damianos mit. Zypern hat derzeit den
Vorsitz des Rats der EU-Staaten inne. Die Regeln gelten ab 1. Juli.

Wenig Stahl darf zollfrei eingeführt werden

Nach den neuen Vorgaben wird die zollfreie Einfuhrmenge auf 18,3
Millionen Tonnen pro Jahr begrenzt. Das sind etwa 47 Prozent weniger
als bisher. Mengen, die diese Grenze überschreiten, sollen mit einem
Strafzoll von 50 Prozent belegt werden, doppelt so viel wie bisher. 

Die EU ist nach Angaben des Rates der drittgrößte Stahlproduzent der
Welt. Rund 300.000 Menschen seien direkt in diesem Industriebereich
beschäftigt. 

Stahlindustrie ist unter Druck

Dennoch sei der EU-Markt wegen der Importbeschränkungen anderer
Staaten und der globalen Überkapazitäten zum Hauptabnehmer des
weltweiten Stahlüberschusses geworden. Dies habe zu einer geringen
Kapazitätsauslastung und hohen Produktionskosten in der EU geführt.
Bis 2027 werde mit einem Anstieg der weltweiten Stahl-Überkapazitäten
auf 721 Millionen Tonnen gerechnet - mehr als dem Fünffachen des
jährlichen Verbrauchs der EU. 

Die Neuregelung war zuvor mit Vertretern des Europäischen Parlaments
ausgehandelt worden. Die Abgeordneten bestätigten den Kompromiss
bereits formal.