EU-Zwangsmaßnahme: WhatsApp muss andere KI-Anbieter zulassen

09.06.2026 17:30

Der Messenger-Marktführer WhatsApp bietet Nutzern die Künstliche
Intelligenz «Meta AI» an. Andere Anbieter müssen zahlen. Brüssel
fürchtet bleibende Nachteile - und greift ein.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission zwingt den Messengerdienst
WhatsApp, KI-Assistenten anderer Anbieter in der Europäischen Union
wieder kostenlos zuzulassen. Der US-Konzern Meta, zu dem WhatsApp
gehört, müsse die einstweiligen Maßnahmen innerhalb von fünf
Werktagen umsetzen, teilte die EU-Kommission mit.

Sie fürchtet ansonsten «ernsthaften und nicht wieder gutzumachenden
Schaden» für den Wettbewerb im wachsenden Markt für universelle
KI-Assistenten. Dort hätten kleinere Anbieter und neue
Marktteilnehmer derzeit die Chance, etablierte Großunternehmen
herauszufordern. Parallel untersucht die Behörde weiter, ob der
Konzern mit den Einschränkungen gegen EU-Wettbewerbsrecht verstößt.

WhatsApp sei für KI-Unternehmen ein wichtiger Zugangspunkt zu
Verbrauchern in Europa, teilte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa
Ribera mit. «Mit der heutigen Entscheidung bewahren wir auch die
Wahlfreiheit der Bürger in ganz Europa hinsichtlich der
KI-Assistenten, die sie mit WhatsApp nutzen möchten, ohne dass diese
Entscheidung für sie getroffen wird.» Die EU-Kommission wacht in der
EU über die Einhaltung des Wettbewerbsrechts.

Andere Anbieter wurden ausgeschlossen

Die EU-Kommission untersucht den Fall seit Dezember 2025. Hintergrund
ist, dass Meta im vergangenen Oktober Drittanbietern den Zugang zu
Schnittstellen sperrte, über die Unternehmen ihre Dienste mit
WhatsApp verknüpfen. Das Vorgehen führt laut EU-Kommission dazu, dass
für Nutzerinnen und Nutzer nur Metas eigene KI («Meta AI») zur
Verfügung stehe.

Nachdem die Kommission schon einmal mit Zwangsmaßnahmen gedroht
hatte, öffnete Meta im März den Zugang zwar formal wieder, führte
jedoch eine Gebühr ein. Dies werten die Wettbewerbshüter in Brüssel
als faktische Fortsetzung der Zugangssperre. Die nun gefallene
Entscheidung verpflichte Meta, den Zugang zu denselben Bedingungen
wiederherzustellen, die vor dem 15. Oktober 2025 galten, hieß es.

Meta drohen Strafen

Bei einem Verstoß gegen die Maßnahmen drohen dem Konzern Bußgelder in

Höhe von bis zu zehn Prozent des Gesamtumsatzes im vorausgegangenen
Geschäftsjahr. Außerdem kann die Kommission zur Durchsetzung der
Entscheidung tägliche Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des
durchschnittlichen Tagesumsatzes verhängen.

Die Untersuchung in dem Fall ist noch nicht endgültig abgeschlossen.
Es gibt keine gesetzliche Frist, bis wann Ermittlungen abgeschlossen
sein müssen.

Ein Sprecher von Meta hatte im Februar mitgeteilt, es gebe keinen
Grund für die EU, einzugreifen. «Es gibt viele KI-Optionen, die über

App-Stores, Betriebssysteme, Geräte, Websites und
Industriepartnerschaften genutzt werden können», argumentierte der
Sprecher. Die EU-Kommission gehe fälschlicherweise davon aus, dass
die Schnittstelle bei WhatsApp ein wichtiger Vertriebskanal für diese
Chatbots sei.

Weitere Verfahren

Gegen den WhatsApp-Mutterkonzern Meta unter Leitung von Mark
Zuckerberg laufen unabhängig davon Verfahren der EU wegen Verstößen
gegen europäische Digitalgesetze. So schützen Facebook und Instagram
Kinder nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen nicht ausreichend vor
den Gefahren ihrer Angebote, wie die EU-Kommission Ende April
mitgeteilt hatte.

Die Brüsseler Internetwächter verlangen von den Plattformen, das
Mindestalter von 13 Jahren durchzusetzen, das sie selbst in ihren
Nutzungsbedingungen festgelegt haben. Ansonsten droht eine
empfindliche Strafe - bis zu sechs Prozent des jährlichen
Konzernumsatzes. Auch tägliche Strafen wären möglich, um das
US-Unternehmen zum Einlenken zu bewegen.