Krieg treibt Inflation: EZB vor erster Zinserhöhung seit 2023

10.06.2026 17:30

Der Ölpreisschock mit dem Iran-Krieg treibt die Verbraucherpreise im
Euroraum nach oben. Damit wächst der Druck auf die EZB zu reagieren.
Nun dürfte die Zeit des Abwartens vorbei sein.

Frankfurt/Main (dpa) - Ölpreisschock, gestiegene Inflation, hohe
Benzinpreise: Angesichts der stark anziehenden Verbraucherpreise im
Euroraum dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen
erstmals seit 2023 erhöhen. Ihre Entscheidung gibt die Notenbank an
diesem Donnerstag um 14.15 Uhr bekannt. Der für Sparer und Banken
wichtige Einlagenzins liegt seit Sommer 2025 bei 2,0 Prozent. 

Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges hat die Inflation in der
Eurozone kräftig befeuert. Im Mai lagen die Verbraucherpreise laut
Statistikamt Eurostat um 3,2 Prozent über Vorjahresniveau. Schon im
April war die Teuerung mit 3,0 Prozent stark erhöht. Die Zielmarke
der EZB, die mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent im
Euroraum anstrebt, ist damit deutlich überschritten - und der Druck
auf die Notenbank wächst. 

Der Iran-Krieg hat die Inflation bisher vor allem über den Ölpreis
hoch getrieben und Energie rasant verteuert, aber auch die Preise für
Dienstleistungen ziehen an. Ökonomen fürchten, dass die Preise auf
breiter Front steigen, da Firmen gestiegene Energie- und
Transportkosten an Kunden weitergeben. Zum Vergleich: Noch im Februar
lag die Teuerung im Euroraum bei 1,9 Prozent. EZB-Präsidentin
Christine Lagarde hat immer wieder betont, die Notenbank sei bereit
zu handeln, falls nötig. 

Höhere Leitzinsen der EZB würden Kredite für Verbraucher und Firmen
verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen kann.
Zugleich wären höhere Zinsen eine Bürde für die schwache Wirtschaft

im Euroraum, die unter den Folgen des Iran-Krieges leidet und im
ersten Quartal überraschend schrumpfte.