Wadephul wirbt bei EU-Beitrittsverfahren für Kiew um Geduld

10.06.2026 18:19

Nach dem Regierungswechsel in Ungarn hofft die Ukraine auf einen
raschen Start des EU-Beitrittsverfahrens. Der deutsche Außenminister
äußert sich optimistisch - und mit Verständnis für Budapest.

Berlin (dpa) - Außenminister Johann Wadephul hat sich zuversichtlich
über einen raschen Beginn des EU-Beitrittsverfahrens für die Ukraine
geäußert, zugleich aber um Geduld geworben. «Wir haben jetzt nach
einer Zeit langen Wartens jede Geduld dafür, dass dieser Prozess in
aller Ruhe und Sorgfalt zu Ende geführt wird», sagte der
CDU-Politiker bei einem Treffen mit seiner ungarischen Amtskollegin
Anita Orbán in Berlin. «Ich bin optimistisch, dass das bald geschehen
kann», fügte er hinzu.

Man sei in der Schlussphase der Verhandlungen über die Eröffnung der
Verhandlungen, sagte Wadephul. «Aber das machen wir, nachdem der
politische Weg jetzt sehr positiv aussieht, in aller Sorgfalt und
ohne irgendeine Hektik, weil die gar nicht nötig ist.» Im
EU-Außenministerrat am kommenden Montag werde man die weiteren Themen
besprechen und vor allem den EU-Gipfel Ende der Woche vorbereiten. 

«Ich bin zuversichtlich, dass wir zu gemeinsamen Ergebnissen kommen»,
sagte der Bundesaußenminister. Er habe aber auch vollstes Verständnis
dafür, dass die neue ungarische Regierung, die erst seit rund vier
Wochen im Amt ist, die Gelegenheit haben müsse, sich einzuarbeiten
und alle Dinge zu prüfen. 

Ungarische Außenministerin: Beitrittskriterien gelten für alle

Orbán sagte, man arbeite an einem Treffen zwischen Ministerpräsident
Peter Magyar und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Die Kriterien und Verfahren der EU für einen Beitritt müssten für
alle Kandidaten angewandt werden. Zugleich betonte sie, auch die neue
ungarische Regierung werde keine Rüstungsgüter in die Ukraine
schicken und unterstütze keine Waffenlieferungen in das von Russland
angegriffene Land. Orbán ist nicht mit Ex-Ministerpräsident Viktor
Orban verwandt. 

Nach einer zwei Jahre langen Hängepartie können die Ukraine und deren
kleines Nachbarland Moldau auf einen baldigen offiziellen Beginn der
Beitrittsverhandlungen für die EU hoffen. Die zyprische
EU-Ratspräsidentschaft hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass die
Vorbereitungen für die formelle Eröffnung des ersten
Verhandlungsabschnitts eingeleitet würden. Im Idealfall sollen die
Gespräche am 15. Juni am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg
gestartet werden können. 

Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau waren
eigentlich bereits im Juni 2024 eröffnet worden. Die Eröffnung des
ersten Verhandlungsabschnitts mit der Ukraine wurde dann allerdings
von Ungarn mit einem Veto blockiert. Erst nach der Abwahl des
langjährigen ungarischen Regierungschefs Viktor Orban im April kam
wieder Bewegung in den Prozess.