Neue Kritik am KI-Berater der EU wegen Siemens-Verbindung
10.06.2026 20:46
Vier Anti-Korruptions-Organisationen schlagen Alarm: Der
Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens dürfe nicht KI-Beauftragter der
Europäischen Kommission werden. Sie sehen mehrere
Interessenkonflikte.
Brüssel (dpa) - Die Kritik an der Ernennung des
Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden zum KI-Berater von
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reißt nicht ab. Vier
Anti-Korruptions-Organisationen, darunter Transparency International
und Lobbycontrol, fordern wegen möglicher Interessenkonflikte in
einem offenen Brief an die Europäische Kommission die Rücknahme der
Nominierung.
In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt
es: Die Ernennung des dänischen Managers Jim Hagemann Snabe drohe das
Vertrauen der Öffentlichkeit in die Entscheidungsfindung der EU zu
untergraben. «Selbst bei den strengsten Schutzmaßnahmen wäre er nicht
in der Lage, unparteiisch, unabhängig und objektiv im öffentlichen
Interesse zu handeln», heißt es in dem Brief, den auch die
gemeinnützigen Organisationen Corporate Europe Observatory und The
Good Lobby unterzeichnet haben.
NGOs sehen Aktienbesitz bei KI-Firma als Problem
Konkret führen die Verfasser Hagemann Snabes Position bei Siemens an.
Der Technologiekonzern Siemens hatte zuletzt von einer hohen
Nachfrage im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren insbesondere in den
USA profitiert.
Weiter heißt es, Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC zeigten,
dass Hagemann Snabe weiterhin Aktien im Wert von über 4 Millionen
US-Dollar von einer KI-Firma besitze. Wer bis heute durch Aktien vom
Erfolg großer Tech- und Industriekonzerne profitiere, könne nicht als
unabhängiger Gestalter der europäischen KI-Politik auftreten, sagte
Felix Duffy von Lobbycontrol.
EU-Kommission spricht von Sicherheitsvorkehrung
Die Europäische Kommission hatte die Ernennung des ersten
Sonderbeauftragten für künstliche Intelligenz vergangene Woche
bekanntgegeben. Hagemann Snabe werde EU-Kommissionspräsidentin Ursula
von der Leyen sowie Vizepräsidentin Henna Virkkunen bis Ende März
nächsten Jahres in dieser Position beraten, teilte die Brüsseler
Behörde mit.
Ein Sprecher hatte am Freitag zudem auf Nachfrage gesagt, es würden
spezifische Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um Interessenkonflikte
zu vermeiden. Details nannte er aus Datenschutzgründen nicht.
Zweifel an Unabhängigkeit auch von Europaabgeordneten
Auch die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD),
kritisierte die Nominierung. «Die Ernennung des
Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden zum KI-Sonderberater lässt
befürchten, dass industrielle KI-Politik künftig vor allem von und
für große Tech-Unternehmen gemacht wird, zu Lasten von Klimaschutz
und Allgemeinwohl», teilte die deutsche Politikerin mit.
Europaabgeordnete von Linken und Grünen hatten die Europäische
Kommission für die Berufung ebenfalls kritisiert.
