Thailand, Indien - EU-Kommissar will Wein-Märkte erschließen
11.06.2026 04:00
In Europa wird weniger Wein getrunken. Was kann Winzern helfen? Der
Europäische Kommissar für Landwirtschaft nimmt auch Asien in den
Blick.
Brüssel (dpa) - Auf der Suche nach neuen Chancen für europäische
Weinregionen will EU-Agrarkommissar Christophe Hansen weitere Märkte
in Asien erschließen. «Ich glaube, wir haben sehr attraktive Weine,
auch in Deutschland», sagte Hansen der Deutschen Presse-Agentur.
Besonders nach Weißweinen gebe es «eine sehr große Nachfrage». Das
zeige sich auch bei Besuchen - etwa als er vor kurzem mit einer
Delegation von rund 100 Lebensmittelproduzenten aus der EU in
Thailand gewesen sei.
Hansen warb für Handelsabkommen, die im Wettbewerb helfen könnten.
Als Beispiel nannte er Indien. Die EU und das bevölkerungsreichste
Land der Welt verständigten sich im Januar darauf, eine riesige neue
Freihandelszone zu schaffen. Unter anderem sollen die indischen Zölle
auf Wein bei Inkrafttreten des Abkommens auf 75 Prozent und später
dann auf bis zu 20 Prozent reduziert werden. Die ausgehandelten
Bedingungen seien besser als die des Hauptwettbewerbers Australien,
sagte Hansen nun und sprach von einem riesigen Markt mit mehr als 1,4
Milliarden Menschen, auch wenn nicht jeder Wein trinke.
In den Fokus nehmen müsse man auch Thailand und die Philippinen,
sagte Hansen. Dort gebe es sehr viele Touristen, aber auch
einheimische Konsumenten. Die EU verhandelt zu Handelsabkommen mit
den beiden südostasiatischen Ländern.
Rebflächen sind auch «ein Teil Geschichte»
Europas Weinregionen müssen sich unter anderem wegen des Klimawandels
anpassen. Winzer steigen teils auf pilzresistente Rebsorten um. Im
Frühjahr sind neue EU-Regeln in Kraft getreten: Weinbauer sollen
zusätzliche Unterstützung beim Ausbruch von Pflanzenkrankheiten
bekommen können, bei extremen Wetterereignissen oder zur Förderung
von Weintourismus. Die EU-Staaten können EU-Mittel zudem zur Rodung
überschüssiger Rebflächen einsetzen. «Das ist ein Teil Geschichte,
der damit verloren geht. Deshalb hätte ich natürlich lieber, wir
würden unsere Weine verkaufen können», sagte Hansen.
