Neues EU-Asylsystem tritt in Kraft
11.06.2026 17:30
Schnellere Abschiebungen, strengere Verfahren: Die europäische
Asylreform soll verhindern, dass Schutzsuchende innerhalb der EU
weiterziehen. Wie soll das funktionieren?
Brüssel (dpa) - Die auf EU-Ebene jahrelang verhandelte Reform des
europäischen Asylsystems (Geas) tritt am Freitag in Kraft. Die
Verschärfungen der Migrationsregeln sollen mit effektiveren Verfahren
an den europäischen Außengrenzen verhindern, dass Schutzsuchende
innerhalb der EU weiterziehen - also etwa von Griechenland oder von
Italien aus nach Deutschland kommen.
Konkret sollen die sogenannten Grenzverfahren schnellere
Asylentscheidungen und konsequentere Abschiebungen ermöglichen.
Besonders Menschen mit geringen Aussichten auf einen positiven
Asylbescheid sollen ein solches beschleunigtes Verfahren mit einer
maximalen Dauer von zwölf Wochen durchlaufen. Sie müssen in dieser
Zeit damit rechnen, spezielle Aufnahmezentren nicht verlassen zu
dürfen, die insbesondere die EU-Länder an der Außengrenze
eingerichtet haben. Dadurch soll besonders sogenannte
Sekundärmigration verhindert werden - also dass Asylsuchende nach der
Erstregistrierung in einem EU-Land eigenständig in ein anderes Land
weiterziehen.
Gleichzeitig sollen die Staaten an den EU-Außengrenzen mit der
Bewältigung von vielen Flüchtlingsankünften nicht alleingelassen
werden. Ein sogenannter Solidaritätsmechanismus soll die Lasten unter
den Mitgliedsländern verteilen. Er sieht Unterstützung durch
finanzielle Beiträge, Sachleistungen oder die Übernahme von
Asylsuchenden vor. Deutschland muss zu einem bereits ausverhandelten
Solidaritätspool für das laufende Jahr keinen Beitrag leisten, da der
Bundesrepublik die vielen Asylbewerber angerechnet werden, für die
eigentlich andere Länder zuständig gewesen wären.
