IWF stutzt Prognosen für Eurozone
11.06.2026 17:50
Die gestörte Situation in der Straße von Hormus belastet die
Weltwirtschaft - und damit auch die Eurozone. Die Aussichten für
dieses Jahr werden düstererer. Einen Lichtblick gibt es dennoch.
Washington (dpa) - Die Wachstumsaussichten für die Eurozone trüben
sich laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen des
andauernden Iran-Kriegs ein. Die Wirtschaftsleistung der Länder mit
der Gemeinschaftswährung dürfte im laufenden Jahr nur noch um 0,9
Prozent steigen, heißt es in einem jüngsten Bericht. Das seien 0,5
Punkte weniger als noch vor dem Krieg angenommen. Zugleich dürfte die
Gesamtinflation auf 2,8 Prozent steigen und damit 0,8 Punkte höher
ausfallen bis noch im Januar erwartet.
Nach IWF-Schätzungen dürfte 2027 das Wachstum dann mit 1,2 Prozent um
0,2 Punkte schwächer ausfallen. Die Inflation erwarten die Ökonomen
dann bei 2,3 Prozent - 0,4 Punkte höher als noch zu Beginn dieses
Jahres antizipiert.
Das Institut mit Sitz in Washington warnte davor, dass ein
anhaltender Energieschock die Inflation und die Inflationserwartungen
weiter anheizen könnte, während ein Vertrauensverlust oder
finanzielle Schwierigkeiten die Nachfrage abbremsen könnten. Ein
Wiederaufflammen des Krieges der USA gegen den Iran stelle
unterdessen ein zusätzliches Risiko dar.
IWF empfiehlt EZB restriktivere Geldpolitik
Aufgrund der Sorgen um eine Stagflation riet der IWF, dass die
Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im laufenden Jahr noch
deutlicher straffen müsse als gedacht. Sollten die Energiepreise
weiter steigen, könnte die EZB gezwungen sein, noch drastischer
einzugreifen. Die EZB mit Sitz in Frankfurt/Main hob heute den für
Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Punkte auf 2,25
Prozent an.
Unterdessen kritisierte der IWF erneut europäische Regierungen für
breit gestreuten Entlastungen für ihre Bürger. «Jede Fortführung
solcher oder neue Maßnahmen sollte gezielter darauf ausgerichtet
sein, gefährdete Haushalte zu schützen und gleichzeitig die
Preissignale zu erhalten», hieß es. Bereits zuvor hatte das Institut
mit Sitz in Washington gemahnt, eine nicht zielgerichtete
Unterstützung komme überproportional einkommensstarken Haushalten
zugute, die mehr Energie verbrauchten.
Die Bundesregierung etwa hatte einen temporären Tankrabatt seit dem
1. Mai eingeführt. Die Steuersenkung zur Entlastung von den stark
gestiegenen Spritpreisen infolge des Iran-Kriegs soll Ende Juni
auslaufen. Die Koalition hatte die Spritsteuer um knapp 17 Cent pro
Liter gesenkt.
IWF erneuert Forderungen
Um künftig resilienter gegen Krisen zu sein, wiederholte der IWF
zudem seine Aufforderungen für Reformen auf EU-Ebene. So müssten der
europäische Binnenmarkt gestärkt und die Abhängigkeit von globalen
Energiemärkten verringert werden. Angesichts einer alternden
Gesellschaft bei schwachem Produktivitätswachstum warnte der IWF vor
nationalen Alleingängen und einer protektionistischen
Industriepolitik.
Geplante EU-Vorgaben, bestimmte Güter verstärkt lokal in Europa zu
produzieren, drohten Marktmechanismen zu verzerren und Kosten in die
Höhe zu treiben. Stattdessen gelte es, bürokratische Hürden
abzubauen, ohne dabei die mühsam erreichten Standards der
Finanzmarktregulierung aufzuweichen.
Auch Weltbank wird für 2026 vorsichtiger
Auch die Weltbank passte ihre Prognosen heute für die Eurozone an.
Mittlerweile geht sie von einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent
im laufenden Jahr aus, also 0,1 Punkte weniger als bislang. Grund
seien die gestiegenen Preise für Öl und Gas, die die stärkere
Konjunktur zum Jahreswechsel und geringere US-Zölle in den Schatten
stellten, hieß es.
2027 dürfte die Leistung dann allerdings mit 1,3 Prozent 0,1 Punkte
stärker ausfallen, da die Weltbank dann mit einer stärkeren
Binnennachfrage infolge sinkender Energiepreise rechnet. Zudem
dürften staatliche Unterstützungen und Investitionen, allen voran in
Deutschland, die Wirtschaftsleistung zusätzlich stützen. Für 2028
wird ebenfalls mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet.
