Merz: Reformen im Wohlstand schwieriger als Wiederaufbau nach Krieg

11.06.2026 17:59

Der Kanzler versucht, ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit
von tiefgreifenden Reformen zu erzeugen. Um die Größe der
Herausforderung zu verdeutlichen, zieht er einen Vergleich.

Berlin (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat zu mehr Mut im
laufenden Reformprozess aufgerufen. «Wir sehen immer noch sehr viel
Zaghaftigkeit, was die notwendigen Reformen betrifft», sagt er beim
Tag der Familienunternehmen in Berlin. 

Er wies in diesem Zusammenhang auf die Widerstände gegen
Veränderungen in Wohlstandsgesellschaften generell hin, mit denen es
jetzt auch die Bundesregierung zu tun habe. «Ich sage das ohne jede
Larmoyanz: Eine wohlhabende Gesellschaft zu verändern ist viel
schwieriger, als ein Land nach Krieg und Zerstörung wieder
aufzubauen.»

Was die Bundesregierung sich vorgenommen habe, erfordere
«Veränderungsbereitschaft aus dem Wohlstand heraus, vielleicht aus
einer Wohlstandsillusion heraus», sagte Merz. Dieser Wohlstand werde
sich als Illusion erweisen, «wenn wir jetzt nicht handeln und wenn
wir jetzt nicht diese Veränderungen mit dieser Koalition auf den Weg
bringen».

«Wieder an uns selbst glauben»

Merz hatte bereits am Morgen in seiner Regierungserklärung im
Bundestag eindringlich zu mehr Veränderungsbereitschaft aufgerufen.
«Es gibt keinen Grund, dass wir als Land, als Gesellschaft nicht
wieder an uns selbst glauben», sagte er nun vor den
Familienunternehmern. Es gebe keinen Grund, daran zu zweifeln, dass
Deutschland sich einen vorderen Platz in der Welt im Umbruch
erarbeiten könne.