Ausnahme von EU-Pakt: Polen nimmt nicht mehr Flüchtlinge auf

12.06.2026 12:34

Die Europäische Union regelt die Verteilung von Flüchtlingen neu -
aber Polen macht nicht mit. Das Land an der Außengrenze von EU und
Nato hat Zugeständnisse ausgehandelt.

Warschau (dpa) - Polen wird keine zusätzlichen Flüchtlinge aufnehmen
und den EU-Migrationspakt nur in Teilen umsetzen. Das teilte das
Innenministerium in Warschau mit anlässlich des Inkrafttretens der
neuen EU-Regeln. Polen sei von der Umverteilung von Flüchtlingen in
der EU und den damit verbundenen Kosten ausgenommen. In zweijährigen
Verhandlungen mit Brüssel sei es gelungen, den Migrationspakt an
«polnische Gegebenheiten» anzupassen. 

«Polen wird nur jene Bestimmungen anwenden, die den Grenzschutz
stärken, die Migrationspolitik verschärfen und den Zugang zu Daten
verbessern, die zur Bekämpfung der illegalen Migration beitragen»,
hieß es in der Mitteilung.

Schwer gesicherte Grenze zu Belarus

Begründet werden die Zugeständnisse an Polen mit der Last, die das
Land an der Ostgrenze von EU und Nato zu tragen hat. Die Grenze zu
Belarus muss mit nahezu militärischen Mitteln gesichert werden. Polen
und die EU beschuldigen den belarussischen Machthaber Alexander
Lukaschenko, in organisierter Form Migranten aus Krisenregionen an
die EU-Außengrenze gebracht zu haben, um Druck auf den Westen
auszuüben. Zuletzt gingen die illegalen Einreisen aber zurück. Hinter
Belarus steht dessen Verbündeter Russland. Polen hat außerdem mehr
ukrainische Flüchtlinge aufgenommen als jedes andere Land.