Orban bleibt Fidesz-Chef - will Partei grundlegend erneuern
13.06.2026 21:16
Orban gesteht Fehler ein, bleibt aber Fidesz-Chef - und plant einen
radikalen Neustart. Warum er trotzdem an die junge Generation abgeben
will und was das für Ungarn bedeutet.
Budapest (dpa) - Trotz seiner Niederlage bei der Parlamentswahl im
April bleibt Ungarns früherer Ministerpräsident Viktor Orban
Vorsitzender seiner rechtsnationalen Partei Fidesz. Bei einem
Parteitag in Budapest stimmten 729 Delegierte für ihn, keine gegen
ihn und acht enthielten sich der Stimme. Sein Mandat an der
Parteispitze ist auf ein Jahr befristet. Es sei Zeit, dass die
«jüngere Generation» die Führung übernehme, sagte der 63-Jährig
e in
einer Rede auf dem Parteitag.
Ferner räumte Orban ein, die Schuld an der Wahlniederlage zu tragen.
Er zählte dafür zehn Gründe auf, unter anderem, dass man den
Korruptionsvorwürfen, die von der gegnerischen Partei Tisza im
Wahlkampf geäußert wurden, nicht widersprochen habe.
Orban will Fidesz fit für die Opposition machen
Bis zu diesem Herbst wolle er Fidesz durch eine Neuorganisation an
der Basis so weit stärken, dass eine effiziente Arbeit als
Oppositionspartei gewährleistet sei. «Ich weiche niemals zurück»,
betonte Orban. Fidesz wählte zudem vier neue Vizepräsidenten.
Die Parlamentswahl vom 12. April hatte der politischen
Senkrechtstarter Peter Magyar haushoch gewonnen. Seine Partei Tisza
erreichte im Parlament eine Zweidrittelmehrheit, die sie zum
grundlegenden Umbau der Politik im Land befähigt, einschließlich
Verfassungsänderungen. Damit ging die 16 Jahre dauernde Ära des
Rechtspopulisten Orban zu Ende. Er war Ministerpräsident von 1998 bis
2002 und danach ab 2010.
Gegner warfen ihm vor, ein hybrides Herrschaftssystem mit
autokratischen Elementen geschaffen, den Rechtsstaat in Ungarn
abgebaut und die Demokratie ausgehöhlt zu haben. Die Europäische
Union (EU) fror deshalb viele Euro-Milliarden an Förderungen ein.
Auch Orbans prorussische und Ukraine-feindliche Haltung machte das
Land zum Außenseiter in der EU.
