EU verschärft Sanktionen gegen Russlands Kriegswirtschaft

15.06.2026 15:44

Mit neuen Sanktionen will die EU Russlands Kriegswirtschaft weiter
schwächen. Rüstungsindustrie und Schattenflotte sind im Visier - und
Menschen, die mit einem konkreten Fall in Verbindung stehen.

Luxemburg (dpa) - Die Außenminister der EU-Staaten haben neue
Sanktionen gegen Unternehmen und Personen von Russlands
Rüstungsindustrie sowie mit Verbindungen zur sogenannten
Schattenflotte beschlossen. Wie der Rat der Mitgliedsstaaten
mitteilte, wurden bei einem Treffen der Ressortchefs in Luxemburg
zudem Strafmaßnahmen gegen 15 Menschen und eine Organisation
beschlossen, die mit dem Tod des Kremlgegners Alexej Nawalny 2024 in
einem russischen Straflager in Verbindung gebracht werden.

Mit den Strafmaßnahmen soll der Druck auf Russland erhöht werden,
sagte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Jede Maßnahme schränke
Russlands Handlungsspielraum weiter ein. Die westlichen Sanktionen
hätten Russland bereits schätzungsweise 1 bis 1,3 Billionen Euro
gekostet, so Kallas weiter. «Stein für Stein zerstören wir die
Grundlagen der russischen Kriegswirtschaft.»

Sanktionen sollen Rüstungsunternehmen und Schattenflotte treffen

Konkret verhängt die EU Sanktionen gegen 7 Personen und 21
Organisationen, die Russlands Militär- und Rüstungsindustrie
unterstützen oder deren Aktivitäten in Drittstaaten ermöglichen. Das

sind etwa Hersteller und Lieferanten von Drohnen und militärischer
Ausrüstung für die russischen Streitkräfte. Zehn Menschen und eine
Organisation kommen neu wegen Aktivitäten in Russlands Einfluss- und
Desinformationskampagnen gegen die EU auf die Sanktionsliste.

Da Energieexporte weiterhin eine zentrale Einnahmequelle für Russland
darstellten, gelten EU-Strafmaßnahmen künftig unter anderem gegen 24
weitere Unternehmen, die am Transport und Export von russischem Rohöl
und Erdölprodukten beteiligt sind. Betroffen sind demnach auch
Unternehmen mit Sitz in Liberia, der Türkei, den Vereinigten
Arabischen Emiraten, Aserbaidschan und Hongkong. Die Maßnahmen
richten sich insbesondere gegen die sogenannte Schattenflotte, wie
die Länder mitteilten.

Über die Schattenflotte versucht Moskau seit Jahren, einen von
westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für
russisches Öl zu umgehen. Dafür werden meist veraltete Schiffe und
verschiedene Methoden genutzt, um die Herkunft von Ölladungen zu
verschleiern.

Richter und Staatsanwälte auf der Sanktionsliste

Im Zusammenhang mit dem Tod von Nawalny sind den Angaben nach
Richter, Staatsanwälte, Mitarbeiter von Strafverfolgungsbehörden,
Angehörige des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB und medizinisches
Personal neu auf der EU-Sanktionsliste. Ihnen wird eine Beteiligung
an Verfolgung, Vergiftung und Tod des Kremlgegners vorgeworfen.

Insgesamt umfasst das Sanktionspaket den Angaben zufolge 34 Personen
und 47 Organisationen beziehungsweise Unternehmen. Von den
betroffenen Akteuren müssen nun in der Europäischen Union vorhandene
Vermögenswerte eingefroren werden. Zudem ist es EU-Bürgern sowie
Unternehmen untersagt, ihnen Gelder zur Verfügung zu stellen, und
gegen die betroffenen Personen wird zusätzlich ein EU-Einreiseverbot
verhängt.

Derzeit wird in Brüssel zudem an einem 21. Sanktionspaket gegen
Russland gearbeitet. Dieses soll nach Willen der Europäischen
Kommission eine umfassende Visasperre für russische Soldaten
umfassen. Außerdem sollen weitere Maßnahmen den Finanz- und
Energiesektor sowie erstmals auch Fischereiunternehmen treffen. Um
Russlands Einnahmen aus Ölexporten zu begrenzen, ist unter anderem
geplant, die turnusmäßige Anpassung der Ölpreisobergrenze bis Januar

kommenden Jahres auszusetzen.

Künftig EU-Hilfe bei Cyberangriffen möglich

Wie die Europäische Kommission mitteilte, kann die Ukraine bei
Cyberangriffen künftig zudem um EU-Unterstützung bitten. Sollte das
Land etwa einen größeren Hackerangriff registrieren, kann es die
sogenannte Reserve unter Führung der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA
um Unterstützung bei der Abwehr bitten.