EU-Parlament stimmt gegen Namen wie «Veggie-Hühnchen»

16.06.2026 13:11

Ein «Veggie-Burger»-Namensverbot ist vom Tisch. Einige andere Namen
sollen aber von Speisekarten in der EU verschwinden.

Straßburg (dpa) - Vegetarische Produkte dürfen in der EU nach der
Vorstellung des Europaparlaments künftig nicht mehr mit Begriffen wie
«Speck», «Hühnchen» oder «Rippchen» beworben werden. Mit 560

Ja-Stimmen, 75 Nein-Stimmen und 25 Enthaltungen stimmten die
Abgeordneten in Straßburg für einen Gesetzesvorschlag, der unter
anderem diese Regelungen vorsieht. Das entspricht einem Kompromiss,
den Abgeordnete Anfang März mit Vertretern der EU-Staaten vereinbart
hatten. Bevor die Regeln in Kraft treten, müssen die Mitgliedstaaten
noch formell zustimmen. 

Abgeordnete hatten im vergangenen Jahr ein Verbot von Begriffen wie
«Tofu-Wurst», «Soja-Schnitzel» oder «Veggie-Burger» für veget
arische
Produkte ins Spiel gebracht. Konkret sollten demnach Begriffe wie
«Steak», «Schnitzel», «Burger» und «Wurst» nur noch für T
ierprodukte
verwendet werden dürfen. Dies wurde mit dem Schutz von Verbrauchern
und Landwirten begründet - und stieß auf viel Kritik, unter anderem
aus Deutschland.

Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte
Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Firmen müssten
Produkte umbenennen und könnten sie womöglich nicht mehr so einfach
vermarkten, argumentierten sie. 

Was nicht mehr auf der Speisekarte stehen darf

Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für
pflanzliche Alternativen verwendet werden. Dies soll nach dem
Beschluss des Parlaments auch weiter grundsätzlich möglich sein. Tabu
sind dann künftig aber Bezeichnungen, die sich auf Tier- bzw.
Fleischarten und einzelne Teilstücke («Cuts») beziehen: zum Beispiel

Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Leber, Kotelett oder
Speck. Sie dürfen auch nicht für im Labor gezüchtete oder
zellbasierte Produkte verwendet werden. Fleisch wird in dem Text als
«genießbare Teile von Tieren» definiert. 

Bundesernährungsminister Alois Rainer sah nach der Einigung im März
Licht und Schatten. «Die Verbraucher sind schlau und mündig. Sie
wissen längst, dass im Veggie-Schnitzel kein Fleisch ist», sagte der
CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Rainer äußerte sich
zugleich kritisch zur Liste mit Begriffen, die künftig
Fleischprodukten vorbehalten sind. «Wir hätten uns gewünscht, dass
diesbezüglich gar keine Neuregelung kommt», sagte der Minister. Sie
bedeute für die Branche unnötigen Mehraufwand.

Eigentlich sollte es bei dem EU-Vorhaben vor allem darum gehen, die
Verhandlungsposition von Landwirten zu stärken. Schriftliche Verträge
zwischen Erzeugern und Abnehmern sollen Pflicht werden, damit
Produktionskosten berücksichtigt werden und es Verlässlichkeit gibt.
Die Staaten müssen die Vorgaben nach der Bestätigung in nationales
Recht umsetzen und können dabei auch Sektoren und Produkte ausnehmen.