Dobrindt warnt: KI-Rückstand macht Deutschland verwundbar

16.06.2026 14:19

Deutschland ist beim Thema Künstliche Intelligenz ins Hintertreffen
geraten. Der Bundesinnenminister sieht darin auch ein
Sicherheitsrisiko und fordert mehr Eigenständigkeit bei Innovationen.

Berlin (dpa) - Deutschland muss aus Sicht von Bundesinnenminister
Alexander Dobrindt auch aus Sicherheitsgründen dringend seinen
Rückstand bei Künstlicher Intelligenz aufholen. Auf die jüngst
verhängte Sperre der US-Regierung für eine KI zur Aufdeckung von
Software-Schwachstellen angesprochen, sagt der CSU-Politiker, man
lebe aktuell in einem Zeitalter des KI-Wettrüstens. In so einer
Situation sei es gut, wenn man in der Lage sei, technologische
Innovationen mitzugestalten. Ansonsten könne es passieren, «dass man
sehr schnell zu den Opfern gehört». 

US-Regierung beschränkt Zugang zu wirkmächtiger Software

Das US-Unternehmen Anthropic hatte am Samstag nach einer Anordnung
der Regierung den Zugang zu seiner erst kürzlich veröffentlichten
Top-Software mit Künstlicher Intelligenz blockiert.
Regierungsbehörden hätten Anthropic unter Verweis auf die nationale
Sicherheit angewiesen, den Zugang aller Ausländer zu den KI-Modellen
Fable 5 und Mythos 5 zu unterbinden, teilte das Unternehmen mit. Das
KI-Modell gilt als besonders geeignet, Schwachstellen und
Sicherheitslücken in Software aufzuspüren. Deutschland hat bisher
keinen Zugang zu diesem KI-Modell, war jedoch nach Angaben der
Bundesregierung dazu in Gesprächen mit dem Hersteller.

EU-Kommission seit Wochen um Zugang bemüht

In der EU obliegt die Regulation von Künstlicher Intelligenz primär
der Europäischen Kommission, alle Anbieter müssen sich etwa an das
europäische KI-Gesetz halten. Die Brüsseler Behörde war seit Wochen
in Gesprächen mit Anthropic und bemüht darum, Zugang zu den neusten
Modellen zu bekommen. Ein Kommissionssprecher sagte, diese Gespräche
gingen ungeachtet der US-Sperre weiter. Tatsächlich hatte die
US-Firma demnach bereits Gespräche mit der EU-Cybersicherheitsagentur
ENISA begonnen. 

Der Sprecher der EU-Kommission sagte, getroffene Vorsichtsmaßnahmen
sollten keine Benachteiligung von Partnern zur Folge haben. «Wir
stellen fest, dass Technologie zunehmend zu einem strategischen Wert
wird, und Europa muss in der Lage sein, nach seinen eigenen
Grundsätzen zu handeln», sagte er.

Schwachstellen-Scan der neuen Generation bald auch in China?

Es sei gut möglich, dass vergleichbare Fähigkeiten demnächst auch in

China zur Verfügung stünden, sagte Dobrindt, der in Berlin ein
Gemeinsames Zentrum von Bund und Ländern zur Abwehr hybrider
Bedrohungen aus der Taufe hob. Für Europa sei es besser, sich auf den
Weg zu machen, um sich eine ähnliche Fähigkeit anzueignen, anstatt
sich auf Partner und Freunde zu verlassen.

BSI wies frühzeitig auf potenzielle Risiken hin

Die Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der
Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, hatte bereits kurz nach
der Vorstellung von Claude Mythos Preview im April erklärt, das BSI
erwarte mit Blick auf das neue KI-Tool «Umwälzungen im Umgang mit
Sicherheitslücken und in der Schwachstellenlandschaft insgesamt». Es
stellten sich auch «Fragen nationaler und europäischer Sicherheit und
Souveränität».